Genießerische Ratte

- Sagt der eine zum anderen: "Seit dem Verschwinden von Abdul Nasser gibt es keine starke Führungspersönlichkeit in der arabischen Welt." Antwortet der andere: "Bush." So etwa lauten übersetzt zwei Sprechblasen mit arabischen Schriftzeichen auf einer Karikatur des Ägypters Hijazi. Eine andere aus Tunesien zeigt eine genießerische Ratte zwischen Mülltonnen beim Wasserpfeiferauchen, dicke, über der Stadt schwebende Notenzeichen scheinen lärmende Musik auszudrücken. "Die Schönheiten der Stadt Medina" heißt diese Zeichnung.

<P>Rechts und links auf dem Weg zur arabischen Bücherpräsentation erstreckt sich diese etwas unscheinbar präsentierte Sammlung von Karikaturen aus der orientalischen Welt und ist für die Besucher der Frankfurter Buchmesse  leicht  zu  übersehen.<BR><BR>Papyrus und Computer</P><P>Dabei erzählt sie schon auf den ersten Blick so klar, unverblümt und vielschichtig wie nichts, was später noch zu sehen ist, von den Ländern der Arabischen Liga. Von der Identitätssuche innerhalb der Weltgemeinschaft und den Versuchen, die eigene, kulturelle und politische Bedeutung zu manifestieren, aber auch von sozialen Problemen in den Städten, mangelhafter Infrastruktur etwa. Und vor allem zeugen diese Gebrauchszeichnungen von authentischer Selbstwahrnehmung und nicht von einer der Repräsentation verpflichteten Selbstdarstellung. <BR><BR>Im Forum der Messe sieht sich der Besucher dann mehr als 3000 Büchern über die arabische Welt gegenüber, die traditionell von internationalen Verlagen eingesendet werden. Noch nie zuvor waren es so viele. Vom deutschen Reiseführer bis zum arabischen Groschenroman, in den man zuerst verkehrt herum hineinblättert - weil sein Buchdeckel rechts ist. In einem eigenen Ausstellungsbereich präsentiert sich die Bibliothek von Alexandria, kurioserweise unter dem Titel "Arabische Kultur im digitalen Zeitalter". Sie zeigt Exemplare ihrer Handschriftensammlung auf Bildschirmen, demonstriert, wie damit gearbeitet werden kann. Eines ihrer größten Projekte ist die Übersetzung eines sehr zerschlissenen, in Altgriechisch verfassten Papyrus. Er ist das 2300 Jahre alte, vermutlich einzige erhaltene Stück der frühzeitlichen, verbrannten Bibliothek von Alexandria. Die heutige hat in ihrem Manuskriptzentrum einige Faksimiles hergestellt, von denen eines in Frankfurt zu sehen ist. <BR><BR>Neben einem so professionellen und anschaulichen Auftritt wirkt der arabische Pavillon eher wie ein mühsam zusammengeklaubtes Sammelsurium. Schautafeln dokumentieren archäologische und historische Stätten, die dem UNESCO-Weltkulturerbe angehören und mit denen einige Länder imponieren können. Ein sehr domestizierter Basar hat sich daneben mit Kunsthandwerk farbenfroh und Räucherhütchen-umwölkt ausgebreitet. Etwas getragener wirkt die wunderbare Kalligraphie-Abteilung, bei der die Erläuterungen fehlen. Saudi Arabien wiederum hat großformatige Bilder der beiden Heiligen Moscheen in Mekka und Medina aufgehängt. Lieblos eng aneinander gequetscht zeigt sich die aktuelle bildende Kunst. Irritiert fragt eine Dame nach der Herkunft einer Reihe älterer Schwarzweißfotografien, wiederum ohne Erläuterung. "Palästina", antwortet ihr ein Aufseher. Erst nach dem Zusatz "das heutige Israel" begreift sie. Nicht nur die Aufnahmen "Das historische Jerusalem" hätten ein wenig mehr fundierte Einordnung verdient, ohne dass diese dabei gleich zum politischen Statement werden muss. So aber ist der Pavillon nur hingeklatschtes, folkloristisches Ornament, dessen nähere Betrachtung sich der ermüdete Besucher eigentlich sparen kann. <BR></P><P> </P>

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