Georg Elser: Die verdammten 13 Minuten

München - Heute vor 110 Jahren wurde Georg Elser geboren: Der Schreiner hatte 1939 versucht, Hitler mit einer selbst gebastelten Bombe zu töten. Sein Anschlag scheiterte. Jetzt bereiten Fred Breinersdorfer und seine Tochter Léonie-Claire einen Kinofilm über Elser vor.

Es ist der 8. November 1939: Adolf Hitler hält eine Rede im Münchner Bürgerbräukeller. Draußen ist es neblig, deshalb verlässt der Diktator früher als geplant das Wirtshaus – um 21.07 Uhr, er will den Zug nehmen und nicht das Flugzeug. 13 Minuten später, Punkt 21.20 Uhr, explodiert eine Bombe im Bürgerbräu. 13 Minuten ist Hitler zu früh gegangen – sonst wäre vieles anders gelaufen. Der 36-jährige Schreinergeselle Georg Elser hatte die Zeitbombe gebaut, in 35 Nächten vor Hitlers Auftritt eine Säule hinter dem Rednerpult ausgehöhlt und darin seine „Höllenmaschine“ versteckt. Nachdem sein Plan gescheitert war, wurde der Widerstandskämpfer in Konstanz an der Grenze zur Schweiz festgenommen. „Ich habe den Krieg verhindern wollen“, sagte Elser beim Verhör durch die Gestapo. Drei Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch die Alliierten erschossen die Nazis am 9. April 1945 den 42-Jährigen.

Zahlreiche Dokumentationen und Filme haben sich mit Georg Elser und seinem Anschlag auf Hitler beschäftigt – den bislang bekanntesten inszenierte Klaus Maria Brandauer. Seit einiger Zeit arbeiten der Produzent, Regisseur, Autor und Rechtsanwalt Fred Breinersdorfer sowie seine Tochter Léonie-Claire, auch sie Autorin und Anwältin, an ihrer Kinofassung der Geschichte: „Elser – 780 Sekunden hätten die Welt für immer verändert“ lautet der Arbeitstitel des Projekts, an dessen Drehbuch Léonie-Claire Breinersdorfer momentan feilt, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. Unklar ist bislang noch die Besetzung des Films. Aber: „Eine Fassung des Buchs ist bereits an unsere Wunschkandidaten rausgegangen“, verrät Breinersdorfer. Fest steht dagegen, dass Torsten C. Fischer Regie führen wird. Er inszenierte unter anderem bereits mehrere Folgen der ARD-Reihe „Tatort“ sowie die Fernsehfilme „Zwei übern Berg“ (2011) und „Romy“ (2009).

Es ist nicht das erste Drehbuch, das Léonie-Claire Breinersdorfer zusammen mit ihrem Vater schreibt: Beide adaptierten etwa Henning Mankells Roman „Der Chinese“ fürs Fernsehen. Sowohl Fred als auch Léonie-Claire schreiben für den „Tatort“. Der Vater lieferte zudem das Skript für den Oscar-nominierten Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (2005), den er auch produzierte.

Läuft alles nach Plan, dann beginnen die Dreharbeiten zum Elser-Film der beiden Ende des Jahres – an möglichst vielen Originalschauplätzen, wie Breinersdorfer sagt.

Georg Elser war am 4. Januar 1903 in Hermaringen, das in Baden-Württemberg direkt an der Grenze zu Bayern liegt, als uneheliches Kind geboren worden. Ein Jahr später heiratete seine Mutter und zog mit ihm zum Vater in das gut 25 Kilometer entfernte Königsbronn. Aus dem Ort erfährt das Filmprojekt „tolle Unterstützung“, freut sich Léonie-Claire Breinersdorfer.

Dabei war die 2,20 Meter hohe Elser-Statue, die seit 2010 am Königsbronner Bahnhof steht, nicht unumstritten: Das Denkmal wurde hart erkämpft vom Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim, der sich seit Jahren dafür einsetzt, dass der Name des schwäbischen Widerstandskämpfers bekannter wird. „Vor rund zwanzig Jahren hat den Namen Elser fast niemand gekannt, er stand in den wenigsten Geschichtsbüchern“, sagt Vereins-Vorsitzender Manfred Maier. Es sei eine ungeheure Leistung von Elser gewesen, schon 1939 erkannt zu haben, wie sich die Dinge unter Hitler entwickeln: „Die verdammten 13 Minuten, die Hitler zu früh ging – ich bin überzeugt, sie hätten die Weltgeschichte verändert.“

Kerstin Eckert und Michael Schleicher

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