Gepäck moderner Nomaden

- Die "Eremiten" haben sich nach Freising zurückgezogen. Dort, wo altehrwürdige Beispiele die religiöse Tragkraft der Einsamkeit demonstrieren, mischen die neuzeitlichen Wanderer in der urbanen und sozialen Wüste die vermeintliche Läuterung der Welt allerdings ordentlich auf.

Trotzdem geht es ums Seelenheil - zumeist allerdings um ein längst verlorenes. Was die Akademie-Klasse des Münchner Professors Stephan Huber im Dombergmuseum in der Reihe "Junge Kunst" demonstriert, ist ein Bild von einer verwüsteten Gesellschaft.

Die frühen Aussteiger waren auf der Suche nach einem spirituellen Erlebnis. Heute grenzen sich die Menschen in einer hochtechnisierten Umgebung wiederum selbst aus. In der Kommunikationsgesellschaft liegt vor allem das Miteinander brach. Die heutige Existenz ist in einen überdimensionalen Umzugskarton zu packen, versehen mit Dias einer gar nicht glorreichen Vergangenheit. Moderne Nomaden sind bezugslos und austauschbar.

Ähnliches vermitteln Videos von einer Frau in einem Barockraum, die durch diese Scheinwelt geistert. Was bleibt, ist der Wille, ja fast der Zwang zur Selbstinszenierung: In einem Kasten, dekoriert als Stuck-ornamentierte Blue-Box, reflektiert sich der Tennisspieler auf der Bühne des Lebens lediglich selbst.

Diese Installationen bereichern die Dauerausstellung. Isoliert sind die Arbeiten im Sonderraum. Dominierend die riesige Silberplane, die den Wohnwagen eines seltsamen Forschers abschottet: Hier entstehen anscheinend die Pläne einer idealen Welt, Utopien, die schon so oft am Reißbrett zunichte gemacht wurden. Ein weiteres Stadtmodell rezitiert abstruse Texte verwaister Zustände.

Ein aufgespießter Embryo belegt die Verlorenheit der Menschen von Anfang an. Zarte Zeichnungen führen romantisch-märchenhafte Versuche von Zweisamkeit ad absurdum. Alles gipfelt im Film der jungen, gelangweilten Zapperin, die sich ihre eigene Realität mittels TV schafft. Nur: Befriedigen können alle diese Ersatzlösungen und Parallelwelten, all diese geistigen, technischen und medialen Gaukeleien nicht.

Bis 15.10., Di.-So. 10-17 Uhr, Tel. 081 61/ 48 790; Katalog: 3 Euro.

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