Stellwerksstörung: Verzögerungen und Teilausfälle auf der Stammstrecke

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„Ich nehme Jago als Irrlicht und Einflüsterer wahr“: Gerald Finley in einer Szene mit Jonas Kaufmann als Otello.

BAYERISCHE STAATSOPER

Gerald Finley: Auf Augenhöhe mit Otello

Als König Lear war er eine Zentralgestalt der vergangenen Salzburger Festspiele, in München ist Ausnahme-Bariton Gerald Finley nun als Jago zu erleben.

München - Gerald Finley gehört zu den meistgefragten Baritonen. Nach den Anfängen im Knabenchor in seiner Heimat Kanada studierte er in Cambridge und London. Vor allem als Mozart-Sänger machte er sich schnell einen Namen. Neben Oratorium und Lied baut der 58-Jährige sein Opernrepertoire beständig aus, mittlerweile auch in Richtung dramatischerer Rollen wie König Lear, Amfortas, Sachs oder Scarpia. Im neuen „Otello“ an der Bayerischen Staatsoper übernimmt Finley den Jago, Premiere ist an diesem Freitag. Mit ihm stehen Jonas Kaufmann und Anja Harteros auf der Bühne, Kirill Petrenko dirigiert das Verdi-Drama.

Haben Sie den Jago schon einmal gesungen?

Finley: Vor vielen Jahren konzertant. Für die Opernbühne habe ich etwas gewartet. Man braucht eine gewisse Kraft in der Stimme, um Otello in seiner Energie zu unterstützen beziehungsweise auf Augenhöhe agieren zu können. Ich hatte gehofft, mit den Jahren durch die natürliche Entwicklung der Stimme einerseits diese Dramatik zu bekommen und andererseits die Flexibilität zu erhalten. Meine Stimme hat zwar auch dunkle Qualitäten, aber nicht unbedingt die abgründige Schwärze, das quasi „Böse“. Ich nehme Jago sowieso als Irrlicht wahr, als Einflüsterer, der sehr leise und leicht werden kann, um zu manipulieren. Dann kommt das dosiert Brutale viel stärker zur Geltung.

Durch die viele Facetten werden die Bösewichte ja auch erst furchterregend.

Finley: Jago könnte am Hof gar nicht überleben, wenn er ständig böse wäre. Er pflegt Freundschaften zu Rodrigo oder Cassio. Aber von Anfang an hat er entschieden, dass er Otello hasst! Er liebt es zu spielen, um zu sehen: Wie weit kann ich gehen? Geht mein Plan auf? Okay, dann kann ich noch mehr riskieren. Verdi eröffnet vielleicht noch mehr als das Original von Shakespeare die Möglichkeit, viele Charakterfarben zu zeigen.

Ist für Regisseurin Amélie Niermeyer Jago die
zentrale Figur?

Finley: Ich finde, dass unsere Produktion sehr gute Antworten gibt auf Fragen wie: Ist Jago böse? Weiß er, was er tut? Bekommt er wirklich, was er will?

Dies ist nicht Ihre erste Zusammenarbeit mit
Kirill Petrenko...

Finley: Wir hatten eine skurrile Begegnung in Paris. Dort haben wir 2003 „Don Giovanni“ gemacht. Es wurde ständig gestreikt, und während wir in der Maske saßen, kamen immer Durchsagen, ob die Vorstellung stattfindet oder ausfällt. Dann sind wir einfach in ein Restaurant gegangen.

Sie haben mehr miteinander gegessen als musiziert.

Finley: Es war „Don Giovanni“! Da isst man auch auf der Bühne ständig. (Lacht.) Ich glaube, drei von sechs Aufführungen fanden statt. Kirill Petrenko hat schon damals ganz genau darauf geachtet: Was steht in der Partitur, was können wir daraus lesen? Welchen Klang wollte Mozart erzielen? Das war wundervoll! Und auch jetzt unterstützt er sehr meine Art der Gestaltung, geht sehr auf die Partituranweisungen ein wie „sotto voce“, „parlando“ oder „intimo“.

Sie sind einer der wenigen Sänger heute, der mit lyrischen Rollen begonnen und sich kontrolliert ins dramatische Fach entwickelt hat. Ihr Geheimnis?

Finley: Oh, das bräuchte eine Stunde, um dies zu erörtern. Ein Vorbild ist Ferruccio Furlanetto. Er hat seine Karriere klug entwickelt und sich auch im Alter, wo die Stimme gewachsen und dramatischer geworden ist, die Flexibilität bewahrt. Er würde sagen: „Übe nie Druck auf die Stimme aus! Mach’ sie nie größer, als sie ist! Orientiere dich an dem, was dir gegeben ist. Wähle danach dein Repertoire aus.“ Zu viele machen es umgekehrt. Man muss nicht unbedingt eine Riesenstimme haben, sie muss tragfähig sein, das erreicht man durch Technik. Hier ist mein Idol Edita Gruberova. Ihre Disziplin, sich keinen Druck zu machen, aber immer an sich zu arbeiten, bewundere ich. Vor etwa zwölf Jahren habe ich viel darüber nachgedacht, wie meine Karriere weitergehen soll. Damals habe ich einen neuen Lehrer kennengelernt.

Und was sagt der Ihnen?

Finley: Wir nennen es „Neuausrichtung“, wir passen Dinge an. Es geht viel um Nachdenken beim Singen, auch um Entspannungstechniken. Möglichst keinen Druck auf die Kehle geben und eine Effizienz im Klang erreichen. Das ist auch mein wichtigster Punkt bei den vielen Meisterklassen, die ich gebe. Die Anstrengung müssen wir beim Singen vermeiden. Es sollte alles ganz leicht sein. Genau das ist das Schwerste. Singen ist eine mysteriöse Sache.

Das Gespräch führte
Maximilian Maier.

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