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Gerd Steinbäcker nahm mit alten Weggefährten ein Album auf. 

CD-Neuerscheinung

Gerd Steinbäcker: „Fürs Liedermachen bin ich zu alt“

München - Gerd Steinbäcker, Ex-Mitglied des österreichischen Pop-Trios S.T.S. hat ein neues Album veröffentlicht - und will sich von dem Stil gleich wieder verabschieden

Was ist denn da los? Erst verkündet das österreichische Pop-Trio S.T.S. 2014 nach fast vier Jahrzehnten das Ende der Band. Und nun erklärt das erste „S“, Gerd Steinbäcker, pünktlich zum Erscheinen seines neuen Soloalbums, dass es von ihm künftig keine Platten wie diese mehr geben werde. Nein, versichert der 64-jährige Grazer im Gespräch aufgeräumt, er wolle nicht privatisieren. Er werde Musik machen, solange er atme, und auch live auftreten. Er wolle einfach nur neue, andere Wege gehen. „Dieses Singer-Songwritertum, das Bob Dylan gestartet hat und das dann Künstler auf der ganzen Welt inspiriert hat, das habe ich unter anderem mit S.T.S. mitgepflegt. Aber um es mit Trappatoni zu sagen: Ich habe damit fertig. Es ist von mir alles geschrieben in der Richtung. Das heißt aber nicht, dass ich aufhöre, im Gegenteil. Es gibt Pläne zu Konzeptalben und Filmmusik zum Beispiel. Aber mit der jetzigen Form des Liedermachens höre ich auf. Ich bin zu langsam geworden für die digitale Welt.“

Für ein Album, das als Abgesang gedacht ist, klingt es ziemlich vital. Anders als bei S.T.S. tönt der Mann solo rockiger, auch aggressiver und lässt seinem Grant freien Lauf. Die Larmoyanz der Wohlstandsgesellschaft geht ihm auf die Nerven, platte Parolen rechter Rattenfänger sowieso und auch der undifferenzierte Blick auf die Welt, der um sich greift. Wieso er über all das singt, ist bei Steinbäcker schnell erklärt: „Das mit S.T.S. und bei meinen Soloprojekten war immer so: Dinge, die in meinem Leben eine Rolle spielen, sei es Liebe, sei es Politik, aus denen hat man einen Song gemacht, wenn man geglaubt hat, dass es sich für einen Song eignet.“

Ein Lied übers krisengeschüttelte Griechenland

Deswegen hat der glühende Griechenland-Liebhaber mit „Alexis“ auch ein Lied über den Alltag im krisengeschüttelten Land geschrieben. „Ich lebe ein Drittel des Jahres in Griechenland und habe dort Freunde. Da sieht man viele Dinge anders, als es bei uns in der Zeitung steht. Den Mann, über den ich in ,Alexis‘ singe, gibt es wirklich. Der hat von all den Finanzhilfen, die da geflossen sind, nie auch nur einen Cent gesehen. Kann sein, dass es so laufen musste, um das System vor dem Kollaps zu retten. Aber ich rede eben von dem Mann, der studiert hat und trotzdem keinen Job kriegt. Das ist doch einen Song wert.“ Weil Steinbäcker wusste, dass es die letzte Platte dieser Art wird, hat er sich den Luxus geleistet, Orchesterversionen von Klassikern wie „Großvater“ aufzunehmen und mit alten Weggefährten wie Wilfried oder Hubert von Goisern zusammen zu arbeiten. „Es hat mich immer fasziniert, dass es eine Sprache gibt, in der man mit fünf Vokalen etwas ausdrücken kann. So mache ich es in dem Lied ,Und Du..Ja eh… I a‘. Der Wilfried hat das erfunden, Hubert von Goisern hat das kunstvoll weitergeführt, und ich bin sehr stolz, dass beide an der Platte mitgearbeitet haben.“

Auch mit den alten Kollegen Schiffkowitz und Günter Timischl hat er noch das Lied mit dem programmatischen Titel „Alles hat sei Zeit“ aufgenommen. „Das ist Tradition. Auf allen meinen Soloplatten habe ich mit Schiffkowitz und Timischl ein Lied eingespielt. Wobei der Text natürlich einen Schlusspunkt setzt. Es ist eine Verneigung vor einer großartigen Zeit.“ Dennoch wird er live weiterhin Lieder von S.T.S. singen. „Ich stehe zu allen meinen Songs. Das Kunststück wird sein, eine Form zu finden, den Liedern zu ihrem eigenen Recht zu verhelfen und nicht wie eine traurige Kopie von S.T.S. zu klingen.“ Überhaupt habe er keinerlei Probleme mit seiner Vergangenheit und seinen alten Mitmusikanten. „Das ist alles ganz cool.“

Und dass er auch in Zukunft oft auf S.T.S. angesprochen werden wird, ist auch ganz cool für Steinbäcker. Der Mann hat Verständnis dafür, weil es ihm nicht anders geht. „Ich verstehe das ja. Ich bin vor zwei Jahren in Graz zu Peter Gabriel gegangen, um den alten Hit ,Don’t give up‘ zu hören. Ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn er es nicht gespielt hätte.“

Von Zoran Gojic

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