Geretteter Gigant

- Die Würzburger Residenz ist ein architektonisches Gesamtkunstwerk ersten Ranges, erbaut von 1720 bis 1780. Sie ist das grandiose Werk von Balthasar Neumann (1687-1753). Auftraggeber war der Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn. Eine bautechnische Sensation für die Barockzeit war die riesige Decke des Treppenhauses, die sich ohne jegliche Stütze über 30 mal 18 Meter spannt.

Ein grandioser, triumphaler Eindruck, den ein anderer Meister vervollständigte: Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770). Er, sein Sohn Giovanni Domenico und die Gehilfen fingen in ihrem 677 Quadratmeter großen Fresko-Giganten die damals bekannten vier Kontinente ein. Im Himmel darüber "herrschen" Apollon und die antiken Götter; natürlich sind auch die echten Würzburger Herrscher abgebildet, aber auch Künstler. Tiepolo hat sich und seinen Filius verewigt zugleich Kollegen wie Neumann oder Antonio Bossi.

Obwohl die Bischofsresidenz im Zweiten Weltkrieg von den Bomben schwer getroffen worden war, trug das Tiepolo-Werk keine schlimmen Schäden davon. Dass das Gemälde nicht unverwundbar ist, zeigte sich dennoch seit Jahrzehnten. Deswegen begann man 2003 mit der Restaurierung, die heuer abgeschlossen wird. Ab Ende Oktober ist das herrliche Fresko wieder zu bewundern. Für die Bayerische Schlösserverwaltung war das die umfangreichste Sanierung in dieser Art.

Im Rahmen der Ausstellungsserie "Wissensspeicher" über die Erhaltung unserer Kulturgüter, die alle Münchner Museen durchführen, ist ab Samstag in Münchens Residenz die Dokumentation "Tiepolo zu Gast in München" zu sehen. Im Durchgang vom Max-Josephs-Platz zum Königsbauhof wird die Restaurierung für Besucher in einer kleinen Sonderschau erläutert. 30 Spezialisten vom Naturwissenschaftler bis zum Fachberater waren an dem Unternehmen beteiligt.

Das A und O war für alle, das einmalige Fresko zu sichern und Fehler früherer Rettungsmaßnahmen auszubügeln. Salzausblühungen und Schimmel mussten bekämpft werden. Außerdem hatten sich Malschichten gelockert oder sie lösten sich auf. So wirkte zum Beispiel das Gesicht der Asia wie von Lepra zerfressen. Außerdem waren Risse und hohle Stellen entstanden. Die Münchner Schau (Anlass: Tagung des International Institute for Conservation vom 28. August bis zum 1. September) stellt das gesamte Konzept dar, macht aber auch die einzelnen Verfahrensschritte anschaulich. Als Blickfang dient eine Fotoleinwand mit einem Tiepolo-Ausschnitt von vier auf 20 Meter. - Und nun muss der Würzburger Kaisersaal restauriert werden . . .

Münchner Schau: 26.8.- 15.10., tgl. 9-18 Uhr. Würzburger Residenz: tgl. 9-18 Uhr.

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