Bayern-Schock: Müller verpasst wohl Leipzig-Doppelpack

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Mit der Neunten fremdelt Valery Gergiev deutlich weniger als mit den anderen Bruckner-Symphonien, die er in München dirigierte.

Konzertkritik

Gergiev und Bruckner: Da wächst etwas zusammen

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München - Valery Gergiev wagt sich mit den Münchner Philharmonikern an Bruckners neunte Symphonie in seinem vielleicht besten Konzert seit Amtsantritt

Ob da doch noch etwas zusammenwächst? Hier das Orchester mit seiner erdrückenden, genetisch verankerten Bruckner-Tradition, dort der Mann aus dem Osten, dem diese Symphonien bislang ein Rätsel waren: Es scheint, als habe sich Valery Gergiev neu und anders in dieses Œuvre versenkt. Vorbei die Unschlüssigkeit, als der Chef mit der Nase in der Partitur die Siebte, vor allem die Dritte nur verbuchte. Die Neunte, Bruckners Monumentalrede von den letzten Dingen, hat Gergiev offenkundig angestachelt. Und dass er sich gegen manch Spielpraxis seiner Münchner Philharmoniker stellt, macht diesen Gasteig-Abend umso diskussionswürdiger.

Kein starrer Koloss schwebt Gergiev vor, kein Weltabgesang im einschüchternden Aufriss, stattdessen: viel Energie, eine kraftvolle Wendung ins Diesseitige, ein Aufdröseln bis zum Stillstand, besonders aber viel Flexibilität. Letzteres ist heikel. Nicht immer gehen die Philharmoniker sofort mit an Scharnierstellen, wohl auch, weil sie damit beschäftigt sind, die eigenwillige Schlagtechnik ihres Chefs zu lesen. Unstetes ist die Folge, etwa im zweiten Thementeil des Kopfsatzes, den Gergiev merkwürdigerweise in mehreren Tempovarianten will. Und dass „leise“ bei ihm „langsam“ bedeutet, wird auch zum Problem in Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ vor der Pause. Detailverliebtheit driftet da in die Manie, das Geschehen zerbröselt.

Der „Zarathustra“ ist eine Wiedervorlage. Gergiev und die Münchner haben das Stück unter anderem schon auf Tourneen gespielt. Man hört Verfeinerung, Reifung, auch mehr Selbstverständlichkeit heraus. Oft nimmt die Tondichtung Fahrt auf bis ins Überstürzte, Licht im Dickicht ist da kaum mehr möglich. Die meiste Probenzeit verwendete Gergiev hörbar auf Bruckner, den er nach einer Knie-Operation vor zwei Wochen im Sitzen dirigiert. Das einzigartige Klangpotenzial der Philharmoniker nutzt er, lenkt es aber auf andere Bahnen. Das Offensive, das Formen von neu ausgehörten Korrespondenzen, all das überzeugt. Einen ganzen Zyklus inklusive DVD-Einspielung hat man sich vorgenommen. Die echten, kniffligen Bruckner-Aufgaben kommen freilich noch – mit der achten, erst recht mit der komplexen fünften Symphonie.

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