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„Diese Phase sollte nicht zu lange dauern“: Chefdirigent Valery Gergiev empfiehlt eine dreijährige Renovierungszeit für den Gasteig.

Münchner Philharmoniker

Gergiev warnt vor zu langer Gasteig-Sanierung

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München - Die Münchner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Valery Gergiev präsentierten ihre Pläne für die Spielzeit 2017/18 und blickten voraus auf ihre Jahre im Exil während der Gasteig-Renovierung.

„Bis 2030“, so plauderte Kulturreferent Hans-Georg Küppers frohgemut aus, habe man Valery Gergievs Vertrag verlängert. „Er weiß es nur noch nicht.“ Kleiner Schreck zur Mittagsstunde oder kleiner Scherz, je nachdem, wie man’s nimmt. Küppers mag auf der Jahrespressekonferenz der Münchner Philharmoniker noch so beteuern, dass sich „die Frage derzeit nicht stellt“. Trotzdem: Bis 2020 läuft Gergievs Vereinbarung, angesichts des Planungsvorlaufs für die Konzerte müsste also bald über das Danach entschieden werden.

Akustiker Yasuhisa Toyota hat den Klang der Philharmonie geprüft

Ob sich die Verlängerung an den Verlauf der bevorstehenden Gasteig-Sanierung knüpft, darüber mochte keiner der Beteiligten Auskunft geben. Gergievs Äußerungen lassen sich freilich als verkapptes Drohpotenzial verstehen. „Diese Phase sollte nicht zu lang dauern“, sagte er. Drei Jahre gingen in Ordnung, bei vier bis sechs Jahren werde es schwierig. In diesem Zusammenhang erinnerte der Russe an die Renovierung der Mailänder Scala, eine hochriskante Phase für das Haus sei dies gewesen.

Wie berichtet, konnte der Akustiker Yasuhisa Toyota für eine Gasteig-Expertise gewonnen werden. Ein Freundschaftsdienst für Gergiev, der Japaner gilt für die klangliche Verbesserung der Philharmonie als gesetzt. Auf einen Ausweichstandort während der Schließphase wollte sich keiner festlegen lassen. Die Areale Candidplatz und Riem seien in städtischem Besitz, betonte Küppers, das erleichtere vieles. Auch sei die Paketposthalle noch im Rennen, weitere Varianten würden wohl nicht dazukommen. Einen favorisierten Platz des Orchesters gibt es freilich. „Das Naheliegendste“ sei der Kongresssaal des Deutschen Museums, sagte Orchestervorstand Stephan Haack – um gleich von Küppers ausgebremst zu werden: Diese Möglichkeit tendiere gegen null.

Im Jahr 2020 ist Baubeginn am Gasteig

Im Jahr 2020 sollen die Arbeiten am Gasteig starten. „Jeder Bruch hat seine Chance“, befand Intendant Paul Müller, man werde diese Phase von der positiven Seite nehmen. Geplant seien viele „dezentrale Aktivitäten“ des Orchesters, das sich noch mehr zur Stadt öffnen und an ungewohnten Orten spielen werde. Wenn es nach dem Vorstand ginge, stünde einer Verlängerung von Gergievs Vertrag nichts im Wege. Haack wiederholte seine Ehrerbietungen vom Vorjahr, vieles am aktuellen Chefdirigenten erinnere ihn an die Klangarbeit von Sergiu Celibidache. Wie der Vorvorvorgänger setze sich Gergiev außerdem bei der Stadt für die Philharmoniker ein. Auch könne man endlich wieder verstärkt auf Tourneen gehen. In der kommenden Spielzeit steht unter anderem China auf dem Reiseplan. Im dortigen Nanjing wolle man zur Eröffnung eines Konzertsaales spielen.

Die Philharmoniker spielen den „Fliegenden Holländer“ in Baden-Baden

Außerdem wurde man vom Festspielhaus Baden-Baden für eine Produktion von Wagners „Fliegendem Holländer“ gebucht. Die Münchner kommen daher in den Genuss eines kostbaren Abfallprodukts: Das Stück mit Bryn Terfel in der Titelrolle wird hier konzertant gegeben.

Ansonsten setzen die Philharmoniker in der Spielzeit 2017/18 auf bewährte Namen. Ehrendirigent Zubin Mehta zum Beispiel dirigiert Bruckners Siebte, Kent Nagano Mahlers Dritte und Semyon Bychkov die „Alpensinfonie“ von Strauss. Als Trainer für die historische Aufführungspraxis wurde wieder Ton Koopman verpflichtet – dieses Mal mit Bachs Weihnachtsoratorium. Mit der dirigierenden Sopranistin Barbara Hannigan wird die Arbeit fortgesetzt. Und unter den jungen Dirigenten findet sich Debütant Lorenzo Viotti, Sohn des 2005 gestorbenen Marcello Viotti.

Valery Gergiev steht bei 37 Konzerten am Pult

Chef Valery Gergiev steht in 37 Konzerten am Pult, davon 20 Mal in München. Das dokumentiert die große Reisetätigkeit des Ensembles – und mittelbar einen Grund, warum sich Gergiev in München verpflichten ließ: Tourneen versprechen Zusatzeinnahmen. Der Bruckner-Zyklus mit ihm wird fortgesetzt, nicht nur in München, auch in Linz, am Grabe Bruckners in St. Florian. Unter anderem leitet Gergiev mit der achten Symphonie ein „heiliges“ Opus der Philharmoniker. Anja Harteros lässt sich von ihm bei Wagners „Wesendonck-Liedern“ begleiten. Und das Programm von Klassik am Odeonsplatz im Juli 2018 ist auf maximale Popularität bedacht: Unter Gergievs Stabführung spielt David Garrett Tschaikowskys Violinkonzert.

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