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Gergievs rechte Hand: Konzertmeister der Münchner Philharmoniker tourt durch Russland

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Von: Markus Thiel

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Lorenz Nasturica-Herschcowici
Lorenz Nasturica-Herschcowici spielt seit einigen Jahren auch als Konzertmeister des Mariinsky-Orchesters. © Frank Bauer

Gerade erst haben sich die Münchner Philharmoniker von ihrem Chefdirigenten Valery Gergiev getrennt, nun steht neuer Ärger ins Haus: Ihr Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici tourt mit dem geächteten Dirigenten durch Russland.

Wenn er als imposante Erscheinung mit ebensolchem Lockenkopf auf der Pole Position des Orchesters sitzt, um Impulse zu geben, dann ist Lorenz Nasturica-Herschcowici nicht zu übersehen. Und wer ihn kennt, der weiß: Das gefällt ihm ausnehmend gut. Doch nun ist der Konzertmeister der Münchner Philharmoniker auf ungute Weise ins Rampenlicht geraten. Derzeit tourt er mit Valery Gergiev, wegen seiner Putin-Nähe fast überall geächteter Dirigent, und dessen Mariinsky-Orchester durch Russland.

Auf Wunsch Gergievs ist Lorenz Nasturica-Herschcowici schon seit einigen Jahren in dieser Doppelfunktion aktiv. Vor dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine wurde das auch von den Münchnern (zumindest nach außen) klaglos geduldet – obgleich sich der gebürtige Rumäne damit einen gut dotierten Nebenjob gesichert hat. Seitdem allerdings Gergievs Vertrag von der Stadt München wegen dessen Haltung zu Putin beendet wurde, ist eine neue Situation eingetreten.

Gergiev-Tournee: Philharmoniker ließen Engagement juristisch prüfen

Die Philharmoniker bestätigen auf Anfrage, dass ihr Konzertmeister „angezeigt“ habe, dass er Konzerte mit dem Mariinsky-Orchester spielen wird. Dies betreffe eine Tournee als auch weitere einzelne Konzerte. Zunächst hatte das Klassik-Magazin „Crescendo“ über diesen Fall berichtet. „Unser Handlungsspielraum ergibt sich aus dem Arbeitsrecht“, teilen die Philharmoniker unserer Zeitung mit. „Wir haben diese Form der Nebentätigkeit von Herrn Nasturica beim Mariinsky-Orchester juristisch prüfen lassen. Mit dem Ergebnis, dass aus arbeitsrechtlicher Sicht dagegen nichts einzuwenden ist. Inwieweit sie ethisch zu vertreten ist, muss jeder, der sie ausübt, für sich selbst verantworten.“ Zwischen den Zeilen ist damit zu lesen, dass die Philharmoniker höchst unglücklich sein dürften über das Weiterlaufen der Nebentätigkeit – und dies in einem Land, das sich gerade im Angriffskriegszustand befindet. Die Stadt München hat sich bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht zu der Angelegenheit geäußert.

Nasturica-Herschcowici ist seit 1992 Erster Konzertmeister der Münchner Philharmoniker. Darüber hinaus ist er eine Reihe von Engagements außerhalb Münchens eingegangen. Er wirkt nach Auskunft seiner Agentur bei zahlreichen Ensembles der Berliner Philharmoniker mit und leitet darüber hinaus noch das Kammerorchester der Münchner Philharmoniker, das außerhalb des philharmonischen Tagesgeschäfts meist von Privatveranstaltern engagiert wird. Seit 2013 steht Nasturica-Herschcowici an der Spitze des Mariinsky Stradivarius Ensembles. Neben seiner Funktion als Erster Gastkonzertmeister in St. Petersburg ist er dort auch schon als Dirigent aufgetreten.

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