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Gerhard Richter vor einem Teil des Sammel-Werks „Atlas“, das jetzt von München nach Dresden ausgeliehen wurde

Gerhard Richter - der Vielgestaltige

München - Gerhard Richter ist der wichtigste Künstler unserer Zeit – das ist weltweit unbestritten. Am Donnerstag wird der scheue Maler, der eng mit dem Münchner Lenbachhaus verbunden ist, 80 Jahre alt.

Heftig wird er gefeiert. Nicht nur heute, sondern die ganze Zeit schon – und das wird so weitergehen. Gerhard Richter, nun also 80, hat gelernt, all das freundlich und sicherlich auch erfreut über sich ergehen zu lassen. Eigentlich ist er, der ganz Große der zeitgenössischen Kunst, aber so bescheiden, dass er bei Vernissagen seiner Werke schon einmal im Getümmel übersehen wird. Umfangreiche Ausstellungen gibt es nun in Berlins Neuer Nationalgalerie (ab 12. Februar) und im Dresdner Gerhard Richter Archiv (bereits eröffnet), aber nicht in München. Das ist per Leihgaben sozusagen in Dresden dabei, wo Richter 1932 geboren wurde und zunächst Bühnenmaler lernte, bevor er an die dortige Kunsthochschule ging. 1961 floh er aus der DDR in den Westen und studierte in Düsseldorf weiter. Schon 1964 konnte er in München Arbeiten präsentieren. Eine beispiellose Karriere begann.

Beispiellos, weil Richter sich weder an die gängigen Moden anhängte, noch einen eigenen Stil kreierte, also keine „Marke“ wurde, aber dennoch unvergleichlich berühmt und am Markt erfolgreich ist. Wer ohne Informationen in eine umfänglichere Richter-Schau geht, könnte glauben, mehrere Künstler stellen dort aus. Der eine malt realistische Stillleben, der andere Landschaften, der dritte Historienbilder, etwa die Leichen der RAF-Mitglieder in Stammheim, der vierte ist Minimalist mit monochromen Farbtafeln, während der fünfte in Farben wühlt. Ach ja, Akte gibt es auch noch. Gerhard Richter macht einfach, was ihm die Mallust diktiert – bis heute.

Das bedeutet tägliche konsequente Arbeit im Atelier. Denn wer sich das wunderbare Spektrum seines Schaffens mit aufmerksamen Augen und wachem Hirn anschaut, erkennt schnell, dass im Inneren kein Bild ohne das andere existiert. Richter arbeitet mit einer Logik an seinen Serien, zum Beispiel Gebirgsmassiven, die zu einem Endpunkt und danach zu einem Anfang an einem anderen Punkt zuläuft. Dass die reine Farbe mit allem zu tun hat, ist ohnehin klar. Am schönsten und leichtesten lässt sich das an Richters „Atlas“ nachvollziehen. Das sind nun fast 800 Skizzen (ob Stift, ob Ölfarbe) und Fotos (eigene oder aus der Zeitung), die als Anregungen, Erinnerungsstützen, Vorzeichnungen, Selbstvergewisserungen dienen: eben ein Atlas durch das Œuvre-Land names Richter von der privaten Baby-Aufnahme bis zu Zeichnungen, wie man eine Ausstellung konzipieren könnte.

Dieses Mega-Panorama ist zurzeit in Dresden zu bestaunen. Das Beste daran: Es gehört München. Gerhard Richter hatte es vor Jahren dem Lenbachhaus überlassen – mit der Zusage, es weiterhin zu bestücken. Im Übrigen hat die Galerie eine vielgestaltige Richter-Sammlung. Wir müssen halt auf die Eröffnung 2013 waren.

Von Simone Dattenberger

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