Gerissene Schuhbandl und große Politik

- Das Phänomen, dass Passagiere schon aussteigen wollen, obwohl das Flugzeug eben erst gelandet ist - "das muss ich jetzt aber nicht verstehen?!" Günther Paal gibt sich als Nicht-Wissender, referiert kuriose Rätsel des Alltags, die jeder kennt. Und erweist sich doch als einer, der Fragen auf den Grund geht, der auch noch das Banalste mit irgendeinem Prinzip, mit dem großen Ganzen in Beziehung setzt. "Glück - eine Vermutung" heißt das Programm, mit dem der "Gunkl" nun in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft tiefere Einsichten vermittelt.

<P>Anders, als der Titel vielleicht erwarten lässt, hat die Poesie Pause, kommt, was nur gut klingt, nicht zur Sprache. Der Österreicher plaudert nicht, er philosophiert sich mit tiefem Bass durch die Welt, und wie er das tut, frappiert. Da wird, ganz mühelos, Gott, das "zentrale Wesen der Verantwortlichkeit", durch das Geld ersetzt, und die Engel durch die Analysten, die "nah an Gott sind, aber nicht mit den Menschen reden". </P><P>Keine platte Gesellschaftskritik, keine eitle Nörgelei ist dieser Monolog, sondern nüchterne Erläuterung, ob es sich nun um die große Politik handelt oder um gerissene Schuhbandl. Der Kabarettist fordert Deklarationspflicht für Parteien, analog zu der für Brotaufstrich, und zieht aus der Tatsache, dass die Menschen Fragen stellen, den Schluss, dass sie richtige Antworten zumindest erwarten.<BR><BR>Jedes Problem spitzt der Denker mühelos zu, beim Klonen reicht ihm dazu die reine Sprachanalyse ("Individuum" = "Das nicht mehr Teilbare"). Weisheiten, destilliert aus der nackten Wirklichkeit, Beobachtungen, die in griffigen Sätzen ("Wer nichts kann, kann auch nichts Böses tun") kulminieren. Und immer neue Rätsel wie das vom Fußballer, der sich nach dem Pfiff beim Schiedsrichter beschwert. Sie mit Paal zu erörtern, macht Spaß - und bildet.</P><P>Bis 17. Mai, außer Sonntag und Montag, um 20 Uhr. Tel.: 089/ 39 19 97.<BR></P>

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