Gerne mehr von Schmuddel-Mutti

- Irgendwann werden auch aus Schmuddelkindern Leute. Längst vorbei sind zum Beispiel die Zeiten, in denen unsere Eltern uns den Umgang mit dem bunten Vogel Nina Hagen verboten hätten. Die klassischen Hagen-Effekte Schminke, irrer Blick und schrille Schreie haben längst die braven Tokyo Hotel übernommen. Schock-Potenzial gleich Null.

Nur hat die Hagen ihren minderjährigen Kopisten natürlich eines voraus: Sie kann was. Und das zeigt sie auch im Prinzregententheater, als gezähmte "Mother of Punk" zusammen mit der Swing-Big-Band "Capital Dance Orchestra".

Wer hier allerdings wen begleitet, wird nicht ganz klar. Zuerst spielt das Orchester ein paar Standards, dann singt Nigel David Casey, ein Conférencier mit hölzernem Las-Vegas-Charme ­ und irgendwann erscheint Hagen standesgemäß mit rosa Stola, Plüsch-Handschellen und Pfauenfeder im Haar. Sie tut, was sie am besten kann: Bühnen-Posen durch den Fleischwolf drehen ­ schielt beim Liebeslied und knurrt in Ehrfurcht gebietendem Alt Balladen wie "Somewhere Over the Rainbow" oder "Der Wind hat mir ein Lied erzählt". Dann macht sie sich wieder für halbe Ewigkeiten auf in die Umkleide, die Band spielt Duke Ellington.

Das tut sie versiert, und wenn die Diva singt, ist sie unterhaltsam. Fragwürdig ist eher das Konzept, das schrille Zugpferd praktisch nur "als Gast" auftreten zu lassen. Und weil zudem noch das Gesangsmikrofon nie wirklich funktioniert, geht man an diesem Abend nach Hause und denkt: Gerne hätte ich heute ein wenig mehr von Schmuddel-Mutti gehört.

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