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Als Liedbegleiter ist Gerold Huber berühmt geworden, nun ist er verantwortlich für eine Konzertreihe.  

Interview zu den Pollinger Tagen der Alten und Neuen Musik

Neues Musikfestival für Oberbayern

Polling - Als Liedbegleiter ist Gerold Huber eine feste Größe. Doch der Straubinger will andere Facetten seiner Kunst zeigen. Mit den Pollinger Tagen der Alten und Neuen Musik, die vom 30. April bis zum 9. Mai stattfinden, hat er die passende Plattform gefunden. Was als Versuch begann, soll zur Regelmäßigkeit werden. Wir trafen den Pianisten zum Gespräch.

Wie kamen Sie dazu, ein Festival ins Leben zu rufen?

Gerold Huber: Mich treibt das Thema schon lange um, es gab zuvor erste kleine Versuche. Im Nymphenburger Schloss habe ich drei Konzerte zum Thema „Ernste Musik“ gemacht, und einmal durfte ich auch die musikalische Woche in Gräfelfing betreuen.

Und warum gerade Polling?

Gerold Huber: Den herrlichen Bibliothekssaal des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts kenne ich schon aus meiner Studentenzeit von Kammermusikkonzerten der Agentur Hörtnagel. Im vergangenen Jahr tat sich dann für Birgit Chlupacek, die für die Geschäftsleitung und künstlerische Planung des Festivals verantwortlich ist, die Möglichkeit auf, in Polling Konzerte zu veranstalten. Als sie mich dafür anfragte, war ich sofort begeistert und habe diverse Dinge vorgeschlagen. Auch die Pollinger selbst haben gleich toll mitgezogen. Jetzt wollen wir unbedingt diese Festivalwoche, die immer nach Ostern stattfinden soll, etablieren.

Es gibt kein Motto, was sonst sehr beliebt ist. Welches Ziel verfolgen Sie mit den „Pollinger Tagen für Alte und Neue Musik“?

Gerold Huber: Ein Motto würde ich als viel zu einengend empfinden. Mich verbindet man stark mit der Liedbegleitung, und da sind die Programme, egal wo ich sie auf der Welt spiele, doch sehr ähnlich. Da gibt es wenig experimentellen Spielraum, was die Programmatik angeht und die Besetzung sowieso. Ein solches Festival hingegen bietet die Möglichkeit, sich inhaltlich ein bisschen auszutoben. Hier kann ich sowohl viele eigene Ideen einbauen, als auch Kammermusik machen oder solistisch spielen.

Stichwort Austoben: Es wird auch eine Komposition von Ihnen uraufgeführt.

Gerold Huber: Das hängt eng mit dem „Doktor Faustus“ zusammen, mit dem wir uns beim diesjährigen Festival beschäftigen werden. Thomas Mann hat diesen Roman zu weiten Teilen in Polling geschrieben. Er beschreibt darin minutiös, auf welche Art seine Figur Adrian Leverkühn den Brentano-Liederzyklus musikalisch konzipiert. Da dachte ich mir: Das wäre doch mal was, dies genau so nachzukomponieren. Ich habe zwar schon hin und wieder was geschrieben, sehe mich aber nicht wirklich als Komponist.

Das Programm ist breit gefächert. Beispielsweise wird Julian Prégardien in einem Vokalquartett singen, es wird Kammermusik mit dem Schwerpunkt Horn geben, ein Gospelchor ist genauso dabei wie das Barockensemble L’Accademia Giocosa. Außerdem kommt die Literatur zu ihrem Recht und auch der kulinarische Genuss nicht zur kurz.

Gerold Huber: Wir wollten unbedingt alle Sinne ansprechen. Auch die bildende Kunst wird vertreten sein. Zu Mussorgkis „Bilder einer Ausstellung“ werden von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Weilheim Bilder angefertigt. So ist es uns gelungen, mit dem Festival auch auf das räumliche Umfeld von Polling einzugehen, was ich für sehr wichtig halte. Alles andere wäre sinnlos und wenig sympathisch. Und diese Verankerung in der dortigen Bevölkerung findet eben auch seinen Niederschlag in kulinarischen Angeboten. Das Publikum soll diese familiäre Atmosphäre spüren. Hier kann es ganz nah an den Künstlern dran sein und die Musik dadurch ganz anders erfahren.

Das Kloster Polling war in seiner Geschichte für die Kultur, die Bildung in Bayern sehr wichtig. Die herrliche Bibliothek ist ein sichtbares Beispiel dafür. Gibt es im Zuge des neuen Festivals Bestrebungen, die religiöse Dimension dieses Ortes stärker aufzugreifen?

Gerold Huber: Natürlich. Wir hatten bereits geplant, Rossinis „Petite Messe solennelle“ aufzuführen, was leider aus organisatorischen Gründen für dieses Jahr noch nicht geklappt hat. Für mich ist Polling schon seit Studententagen ein sehr faszinierender „kulturheiliger“ Ort.

Wer finanziert denn Ihr Festival?

Gerold Huber: Eventuell gibt es eine kleine öffentliche Kulturförderung, das ist noch in der Schwebe. Die Künstler kommen uns Gott sei Dank bei der Gage entgegen, weil es allen sehr um die Sache geht. Und sonst hoffen wir auf viel Publikum. Das Ziel ist, dass wir alles aus den Einnahmen finanzieren können.

Und was wird uns im kommenden Jahr erwarten?

Gerold Huber: Vermutlich wird die hervorragende Cellistin Kristin von der Goltz dabei sein, eventuell auch der Bariton André Schuen mit einem Programm gemischt aus klassischer und ladinischer Musik. Allgemein wollen wir eine große musikalische Offenheit quer durch alle Stile und Epochen, das spiegelt ja auch der Titel des Festival wider. Ob Neukomposition, Neuarrangement, Alte Musik oder ganz andere musikalische Wege: Wir möchten die ganze Vielfalt dieses Kosmos abbilden.

Das Gespräch führte Maximilian Maier.

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