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Thielemann bei der Arbeit.

Gerüchtedämmerung: Wer wird Thielemanns Nachfolger?

München - Die Hauptfigur im Münchner Dirigenten-Drama probt in Bayreuth symbolträchtig die "Götterdämmerung" - in der Stadt brodelt derweil die Gerüchteküche. Wer wird Christian Thielemanns Nachfolger?

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Einen Tag nach dem Bruch zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und "ihrem" Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann, liefen am Donnerstag die Spekulationen über einen Nachfolger für den Stardirigenten schon auf Hochtouren. "Prinzipiell kommt jeder infrage, egal welchen Geschlechts oder welcher Nationalität", sagte ein Sprecher der Stadt.

Unklar ist auch, wie schnell es gehen muss. Beobachter halten es für durchaus möglich, dass Thielemann München wegen des Eklats nun sofort den Rücken kehrt. Eigentlich läuft sein Vertrag bis 2011. Am Mittwoch hatte die Stadt endgültig beschlossen, Thielemanns Vertrag über 2011 hinaus nicht zu verlängern. Der Chefdirigent des weltberühmten Orchesters hatte den ihm angebotenen Vertrag nicht unterschreiben wollen. Knackpunkt war laut Kulturreferent Hans-Georg Küppers, dass Thielemann das letzte Wort bei der Entscheidung über die Programme der Gastdirigenten nicht Intendant Paul Müller überlassen wollte.

Thielemann selbst probte auf dem "Grünen Hügel". Kurz vor Beginn der Bayreuther Festspiele an diesem Samstag stand dort seine letzte Generalprobe für die "Götterdämmerung" an. Selbst mit der Stadt habe er noch nicht gesprochen, bestätigte der Sprecher. Auch das Orchester blieb stumm. Die Münchner Philharmoniker wollten keinen Kommentar abgeben. Dafür haben die Experten einiges zu sagen.

So wird spekuliert, ob der erst 29 Jahre alte New Yorker James Gaffigan nach München kommen möchte. Diskutiert wird auch, ob Kent Nagano, derzeit Chefdirigent bei der Bayerischen Staatsoper in München, auf die andere Isarseite wechseln könnte. Nach einer Aussage Küppers, dass auch Dirigentinnen infrage kommen, begann die Suche nach weiblichen Kandidatinnen. Dabei fiel der Name von Simone Young, derzeit an der Hamburger Staatsoper. Doch sie hat einen Vertrag bis 2015, müsste also kündigen.

Bewerbungen habe es noch keine gegeben, hieß es bei der Stadt. Dort konnte man sich am Donnerstag vor allem über Zustimmung zu der fast einstimmigen Entscheidung des Stadtrates freuen. Während Thielemanns fachliches Können völlig unbestritten ist, hat er nach Ansicht von Beobachtern beim Macht-Poker überzogen. Über einen möglichen Nachfolger sagte Küppers in der "Süddeutschen Zeitung": "Es muss aber eine Persönlichkeit sein, die auch im zwischenmenschlichen Bereich mit diesem Orchester zusammenarbeiten kann."

Andere stellten sich hinter den weltberühmten Maestro. Die Bayerische Akademie der Schönen Künste warf der Stadt "eine gehörige Portion Provinzialismus" vor. Sie habe bei der Entscheidung "Gleichgültigkeit, künstlerische Uneinsichtigkeit" und "allzu durchsichtige finanzielle Erwägungen" bewiesen. In den vergangenen Monaten war immer wieder Kritik laut geworden, dass Thielemann sich nicht genügend mit München identifiziere und nicht genug für das Marketing des städtischen Orchesters tue.

Thielemann hingegen hatte sich gewehrt, es laufe eine Intrige gegen ihn. Wenn er nicht über das Programm des Orchesters - auch bei den Konzerten mit anderen Pultstars - entscheiden könne, werde er in seinem eigenen Haus zum Gastdirigenten, hatte er gesagt. Das derzeitige Drama weckt indessen Erinnerungen. Thielemann hatte bereits seine beiden vorherigen Chefdirigenten-Posten in Berlin und Nürnberg im Streit geräumt. Jetzt gibt es auch in München kein Zurück mehr, denn Küppers betonte, dass die Entscheidung "endgültig" sei.

von Britta Gürke

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