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Arien-Abend im Gasteig

Edita Gruberova: Gesangsstunde einer Diva

München - Edita Gruberova begeistert bei ihrem Arien-Abend im Münchner Gasteig.

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes phänomenal, wie sie das macht. In „Al dolce giudami“ aus „Anna Bolena“ spielt Edita Gruberova mit den Tönen, modelliert sie gekonnt, liebevoll und entlässt sie dann in Münchens Philharmonie. Geschmackvoll spannt sie große Bögen – vollendeter Belcanto ist das. Oder eben: Gesangskunst à la Gruberova. Und so hat der Abend im nicht gut verkauften Saal mit Auszügen aus Donizetti-Opern eine ganz besondere Qualität: Er ist auch eine Gesangsstunde der Diva. In jeder Sekunde hat sie absolute Kontrolle über ihre Stimme. Sie lässt den Ton nie los, sondern formt ihn ständig nach ihrem Willen, überlässt nichts dem Zufall, ist immer Herrin ihres Materials.

Der Schlüssel dazu, das erkennt man gerade in diesen konzertanten Szenen besonders schön, ist der Atem. Wenn die Atemtechnik stimmt, das zeigen auch große Stimmen der Vergangenheit, singt man lange. Reichlich Lernstoff also für Gruberovas junge Kollegen Anna-Maria Thoma, Matthew Grills, Andrea Borghini und Panajotis Iconomou, die allesamt über sehr ansprechendes, vielversprechendes Material verfügen und ihre Sache hervorragend machen. Nicht ganz so überzeugend sind die Münchner Symphoniker unter Peter Valentovic, die in punkto Akkuratesse, Verve und Intonation einen schwächeren Abend erwischen.

Die tiefe Lage der Maria Stuarda macht der Gruberova ein wenig zu schaffen, doch sie singt sich frei. Unnachahmlich ihr Pianissimo-Triller am Schluss von „D’un cor che muore“. Ihre Elisabetta aus „Roberto Devereux“ ist dann der Höhepunkt. Die Figur wird lebendig, packend gestaltet Gruberova den Wahnsinn. Selten verschmelzen Koloraturen und Ausdruck auf so perfekte Weise, selten sind sie so viel mehr als Akrobatik. Auch die Spitzentöne sitzen, ein beklemmendes Porträt. Fehlt nur noch, dass sie sich wie hier üblich die Perücke vom Kopf zieht.

Maximilian Maier

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