Gescheiterter Gott

- Man hat es so oder ähnlich schon gehört: Da langweilt sich ein Gott im Himmel und schickt auf die Erde hinab zwar nicht Mephisto, sondern einen wenig faustischen Heinrich, damit er den schier überschnappenden Hirnforscher Goldmann ruhig stelle. Denn dieser Gott will nicht mehr, dass der Mensch strebt, sondern - endlich - zufrieden ist. Kein Wunder, dass der Engel Heinrich nichts ausrichten kann: Dem wirrköpfigen Hirnforscher soll er die passende Frau suchen, der aber träumt davon, erregte Neuronen abzukapseln - Sex als reine Idee, das ist sein Ideal. Bei so einem muss alle vom Himmel gesandte Liebesmüh` verloren sein.

Moritz Rinke, gerade im Gespräch durch sein "Nibelungen"-Stück für die Festspiele in Worms und die Neuinszenierung in Freiburg, zelebriert in "Männer und Frauen" die altbekannten Verständigungsprobleme unter den Geschlechtern. Er füllt das zwischenmenschliche Vakuum mit ebenso altbekannten Sätzen, aber das Ensemble des Münchner inkunst Vereins (Halle 7) spielt sie mit viel Witz. <BR><BR>Nicht nur äußerlich erinnert Reimund Groß` neurotischer Goldmann an Woody Allens Filmhelden. Wie diese erträgt er die Frauen nicht: nicht die geschäftige Dagmar, hysterisch überzeichnet von Dascha Poisel. Auch nicht die niedliche Natalie, die Gabriele Welker schnurren lässt wie ihre vielen Katzen. Vielleicht wäre die anämische "Verlorene" von Orsa Repp die Richtige. Aber sie wird es nicht. Heinrich, engelhaft zart von Ronnie Janot gespielt, hat für seinen göttlichen Auftrag nur drei Versuche. Und kann die von oben verbotene, fatale Liaison Goldmanns mit der quirligen Jenny (Caroline Sessler) nicht verhindern. Der Hirnforscher strebt also unerlöst weiter - und damit scheitert Gott in Rinkes sehr freier Faust-Paraphrase. Regisseur Claus Peter Seifert lässt viel Sorgfalt walten, aber sie geht unter in dem Schwimmbecken, zu der die Bühne - warum auch immer - umgebaut wurde. Retten würde das Stück nur, wer es um den Ballast von Überflüssigem erleichterte. <BR><BR>Es irrt eben der Mensch, solang` er strebt - aber das haben andere vor Rinke schon schlüssiger gesagt. <BR><BR><BR>Bis 21. Dezember. Telefon 089/53 29 78 29. <BR>

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