Katalonien: Madrid will Regionalregierung absetzen

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Geschenk eines verrückten Bayern

- Feiner grauer Anzug, weißes Hemd, schicke Krawatte: Alles hat Stil. Alfred Gunzenhauser sitzt auf seiner Dachterrasse - da eine Skulptur, hier ein wertvolles Eisengitter - und löffelt Walnusseis. Es ist eine kurze, gestohlene Stunde, bevor er wieder zwischen Ordnern und Telefonanrufen hin- und herwechselt, hier ein Plausch, da ein Handel. Eben war der Sohn von Otto Dix an der Strippe. Und vor wenigen Tagen hat er zusammen mit Otto Grützke dessen Ausstellung in seiner Galerie eröffnet.

Gunzenhauser, hochgewachsen, dominant, aber immer kameradschaftlich, ist alt genug, um über Jahrzehnte Münchner und internationales Kunstschaffen zu blicken - und um sich eine unverhohlen subjektive Meinung zu leisten. Am 24. Mai feierte er seinen 80. Geburtstag. Seit fast 50 Jahren hat er seine Galerie. Sein Konzept im Offiziellen wie im Privaten beruht auf Persönlichkeit. So waren und sind viele Geschäftskontakte in Wirklichkeit Freundschaft, zumeist lange und treue. Das gilt auch für Johannes Grützke, den er zurzeit ausstellt.

"Der Münchner Kunstmarkt war nie leicht."

Alfred Gunzenhauser

"Was ich an ihm schätze, sind seine hintergründigen Ideen", erklärt Gunzenhauser. Dass der große Napoleonhasser immer wieder die gestürzte Napoleonsäule verewigt, ist eine Marotte. Viel interessanter aber sind die zerrissenen, ausschnitthaften Selbstbildnisse, die Reduzierung des Ich. Daneben unter anderem ein "Pikantes Violinkonzert" (1962), das rosafleischig auf Schwarz in welligen Schlingen nackte Leiber wallen lässt.

Nein, der Galerist Gunzenhauser hat nie die allzu einfachen und populären Positionen gesucht. Als er seinerzeit in München "Glück hatte" und an den Gabriele-Münter-Nachlass rankam, waren die Werke wenig wert. "Malende Frauen werden immer verkannt", resümiert Gunzenhauser. Also steigerte er kurzerhand den Preis von knappen 7000 auf 18 000 Mark, wurde bald gehänselt - und genauso bald zum Vorreiter in Sachen Wertschätzung. Den Mut zu derartigen Aktionen hatte er sich als Volkswirtschaftsstudent geholt. Die Leidenschaft fürs Sammeln hat er vom Vater geerbt, als Junge war er fasziniert von Versteinerungen. Dass der begeisterte Zeichner nicht selbst Künstler wurde, definiert er als weiteren Glücksfall. "Bei mir kam die Ernüchterung, dass mein Tun dilettantisch ist. Und das darf nicht passieren." Die beiden Talente des jungen Württembergers kamen voll zum Tragen, "als es zum Glück auch mit der AEG-Führungsposition nichts geworden ist". In Berlin schnupperte er in die Kunsthandelsszene, in der Kunststadt München schlug er dann seine Zelte auf. Im Hinterhof des Antiquariats Reginald Huber widmete er sich zuerst dem Jugendstil, vergrößerte sich gegenüber in den Räumen in der Türkenstraße und schuf sich einen Namen als einer jener "Verrückten, ja Süchtigen".

Doch erst mit der Kundschaft in der neuen Galerie in der Maximilianstraße konnte er "die ganz großen Sachen" verkaufen. Willi Baumeister, Otto Dix, Fritz Winter waren seine Zugpferde. Hundertwasser besuchte er in Venedig. Mit Horst Antes ist er bis heute befreundet. Bei ihm ist sich Gunzenhauser sicher, dass er "auch einer der ganz Großen wird". "Ich war sehr erzürnt, dass die Leute gesagt haben, er macht mit seinen Kopffüßlern immer das gleiche." Gemäß Gunzenhauser definieren sie elementares Sein: "Das Tier sieht, was es begatten, küssen, fressen möchte. Die Füße tragen es hin. Zwischen Gedanke und Hinkommen ist nun einmal nichts."

Die Skepsis gegenüber manchen Werken bezeichnet Gunzenhauser als "Münchner Dualität", als Zwiespalt zwischen dem, was gefällt, und dem, was als Wertanlage sinnvoll erscheint. Dass der Sammler allerdings mit seinen wertvollsten Stücken nach Chemnitz ging, werden ihm manche nicht verzeihen. Vor kurzem vererbte er den dortigen Kunstsammlungen seine Raritäten. "Natürlich hatte es sich herumgesprochen, dass ein verrückter Bayer seine Sammlung verschenken will. Da sind alle angestanden." Mit der Aussicht auf ein eigenes Museum war die Entscheidung rasch gefallen. Allerdings mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Ich glaub's zwar nicht, aber alle haben gesagt, man kann nichts mitnehmen ins Jenseits. Da gibt es sicher eine Möglichkeit. Aber ich will ja nicht immer stur sein."

Bis 28.7., Mauerkircherstraße 2, Tel. 089/ 22 30 30.

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