Geschenk zum Hundertsten

- Vor 80 Jahren entstanden in Stuttgart 33 Häuser als Ausdruck einer städtebaulichen Vision von Ökonomie, Ökologie und neuer Lebensqualität: die Werkbundsiedlung Weissenhof - als Bauausstellung von 17 namhaften Architekten errichtet. Doch nicht Stuttgart ist die Wiege des Werkbundes, sondern München. Hier wurde 1907 der außergewöhnliche Zusammenschluss von Kreativen und Unternehmern begründet. Auf Stuttgart folgten bis 1932 Brünn, Breslau, Zürich, Prag und Wien, doch München blieb ohne Werkbundsiedlung.

Dies soll sich zum 100. Geburtstag des Bündnisses ändern: "Wiesenfeld" wird der Komplex auf dem Gelände der Luitpold-Kaserne an der Infanteriestraße heißen; das aufwändig-kühne Projekt des Deutschen Werkbundes Bayern, der Stadt und deren Wohnungsgesellschaften wird jetzt in der Architekturgalerie München vorgestellt.

Der erste Schritt aus dem Planungskokon ist getan: Aus den 35 Beiträgen hat die Jury die drei besten städtebaulichen Entwürfe ausgewählt und dazu auch zwölf Wohnungen prämiert. Nun heißt es für die Büros Sakamoto (Tokio), Allmann Sattler Wappner (München) sowie 03 München, bis zum Ende des nächsten Monats ihre Vorschläge zu überarbeiten. Entschließt man sich für den japanischen Entwurf, so wird das Schwabinger Niemandsland bald ein lockeres Netz aus mehrstöckigen Appartement-Kuben und kleineren Grünanlagen erfüllen. Das Büro Allmann Sattler Wappner hingegen hat einen heterogenen Ring von Häuserblöcken entwickelt, der sich im Treppauf-Treppab um einen stattlichen Kiefernwald schlängelt. Die Planung von 03 München schließlich sieht zwei Parks vor, welche die strengen Formationen von klassischen Häuserzeilen auflockern. Alle Entwürfe integrieren die teils denkmalgeschützten Gebäude sowie die Grünfläche im Norden des Geländes nur ansatzweise.

Die Bedürfnisse, welche eine Werkbundsiedlung auffangen muss, haben sich in 100 Jahren gewandelt. Stadtbaurätin Christiane Thalgott glaubt, "dass das nachbarschaftliche Miteinander in den nächsten Jahren eine wesentlich größere Rolle spielen wird". Die alte Devise, bis ins letzte Sofakissen "das Außerordentliche zum normalen Preis" zu zaubern, gilt aber nach wie vor.

Bis 11. März, Türkenstr. 30, Tel. 089/ 28 28 07.

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