Geschenke zu "Weihnukkivester"

"Hochzeit in Jerusalem": - Wer Lena Goreliks Debütroman "Meine weißen Nächte" (2004) gelesen hat, wird sich in ihrem neuen Werk "Hochzeit in Jerusalem" gleich ganz familiär und heimisch fühlen. Denn Anja, die russischstämmige Ich-Erzählerin, ihren großen unverheirateten Bruder, die überfürsorgliche Mutter und die in Sankt Petersburger Erinnerungen schwelgende Großmutter kennt man dann schon.

Und wenn nicht, wird man von der lakonisch und unterhaltsam plaudernden Erzählerin sogleich in die wirbelige russisch-jüdische Familie eingeführt.

Denn die kümmert sich zu Beginn mit vielen guten Ratschlägen um den Liebeskummer ihres jüngsten Mitglieds. Aber es ist ein Fremder, der Anja allmählich über den Schmerz hinweghilft: Julian, den sie im Internet kennenlernt, weil er Unterstützung braucht auf der Suche nach seinen jüdischen Wurzeln. Und von denen wusste er bislang selbst nichts.

Lena Gorelik knüpft mit "Hochzeit in Jerusalem" an ihr gelungenes Debüt an, nicht nur was den Inhalt betrifft, sondern auch die erzählerische Qualität. Betrachtete sie damals die mit autobiografischen Zügen ausgestattete Anja noch vorrangig als deutsch-russisches Doppelwesen, geht es in diesem Buch um deren Trippelidentität als Jüdin. Die äußert sich etwa darin, dass Anja im Winter "Weihnukkivester" feiert und dreimal Geschenke bekommt. Von den Eltern zum russischen Silvester, von der Oma zum jüdischen Chanukka und von den Freunden zum christlichen Weihnachtsfest.

Es ist der umstandskrämerische, grüblerische Julian, der Anja hartnäckig und beflissen mit ihrem jüdischen Hintergrund konfrontiert. Und so springt Anja zwischen den Besuchen mit Julian beim Rabbiner und ihren Weigerungen, ihn in die Synagoge zu begleiten, zurück in ihre eigenen Erfahrungen mit ihrer jüdischer Verwandtschaft und sowjetischer Unterdrückung.

Leichthin, frech und mit melancholischem Humor erzählt Gorelik, wie Anja mit Julian nach Israel reisen will, ins "scheinheilige Land", und plötzlich die ganze Familie im Schlepptau hat. Sie erzählt von den Verständigungsproblemen arabisch und hebräisch bellender Hunde, von anstrengenden Gutmenschen und der Sozialismusnostalgie reich geborener Kinder. Ein gewagtes, gewitztes und blitzgescheites Buch.

Lena Gorelik: "Hochzeit in Jerusalem". SchirmerGraf Verlag, München, 255 Seiten; 18,80 Euro.

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