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Ein Klassiker, zu neuem Leben erweckt: Emma Watson und Dan Stevens in „Die Schöne und das Biest“.

Zum Kinostart des neuen Disney-Films

Die vielen Tänze der Schönen mit dem Biest

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München - Ob in der Literatur, auf der Musicalbühne oder jetzt wieder im Kino: Die Geschichte „Die Schöne und das Biest“ wurde oft variiert und interpretiert. Zum Start des neuen Films mit Emma Watson stellen wir die wichtigsten Bearbeitungen vor.

Ach, die Rose! Dramatisch verliert sie ein Blatt nach dem anderen. Wie eine Uhr, die anzeigt: Das Ende ist nah. Disney hat sie als Spannungsmittel in seiner Trickfilm-Version des Märchens „Die Schöne und das Biest“ 1991 gekonnt in Szene gesetzt. Auch in der Realverfilmung, die morgen in die Kinos kommt, nimmt Regisseur Bill Condon das Bild auf. Obwohl es im französischen Märchen gar nicht vorkommt. Eine Werkgeschichte.

Das Märchen

Um es ein für alle Mal festzuhalten: Der Titel „Die Schöne und das Biest“ ist – frankophile Leser nicken wissend – natürlich nicht korrekt. Das französische Märchen von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve heißt „La Belle et la Bête“, zu Deutsch: „Die Schöne und das Tier“. Gerade ist bei Coppenrath (208 Seiten; 29,95 Euro) eine liebevoll gestaltete Neuauflage des Textes von 1740 erschienen. Den bei Disney-Fans so beliebten Gaston findet man dort ebenso wenig wie verwandelte Kerzenleuchter und Standuhren. Dafür aber hübsch gekleidete Tiere. Belle hat es in der Vorlage wesentlich schwerer als etwa auf der Leinwand, muss sie sich doch mit elf Geschwistern herumplagen. Nachlesen von Herzen empfohlen!

Die erste Verfilmung mit Jean Marais und Josette Day .

Die erste Verfilmung

Näher dran an Villeneuves Vorlage ist Jean Cocteau mit seinem „Es war einmal“ von 1946 (DVD erhältlich bei Alamode). Den schönen Jean Marais kann man in diesem als Vorläufer des Fantasyfilms geltenden Klassiker gleich dreifach bewundern. Er spielt das Tier, den Prinzen und Avenant, Belles Verehrer. Cocteau orientiert sich an der Version des Märchens, die Jeanne-Marie Leprince de Beaumont 1756 veröffentlichte. Während bei Villeneuve das Tier jeden Abend Belle bittet, bei ihr schlafen zu dürfen, macht das Ungetüm bei Beaumont Belle täglich einen Heiratsantrag. Das greift auch Cocteau auf. Besonders interessant ist, wie er mit geringen technischen Mitteln eine fantasievolle Märchen-Atmosphäre schafft. Da wird Tee von einer Hand serviert, deren Arm aus dem Tisch ragt: Theater-Tricks, die wirken.

Die Zeichentrickfassung von 1991

Der Zeichentrickfilm

Es war der erste Animationsfilm, der für einen Oscar für den besten Film nominiert war. Am Ende gewann Disneys „Die Schöne und das Biest“ dann bei „Bester Filmmusik“ und „Bester Song“ – schließlich lebt der bonbonfarbene Kinospaß doch von Liedern wie „Sei hier Gast“ und „Belles Lied“.

Das Musical

Uwe Kröger, einer der wenigen deutschen Musicalstars, hat seine Position im Geschäft unter anderem der Bühnenfassung von „Die Schöne und das Biest“ zu verdanken. Drei Jahre lang, von 1997 bis 2000, war er im Stuttgarter Palladium-Theater das Biest vom Dienst. Die Produktion aus dem Hause Stage Entertainment konnte durchaus mit dem Film konkurrieren. 

Das Musical (hier aus Stuttgart mit Leah Delos Santos und Uwe Kröger)

Aufwendig, bildmächtig, vor allem so temporeich und so präzise getaktet in ihren Szenenwechseln, dass den Zuhörern vor lauter Sehen fast das Hören verging. Spektakulär dabei die Rückverwandlung vom Biest zum Beau. 1994 kam das Musical von Alan Menken (Musik) sowie Howard Ashman und Tim Rice (Text) am Broadway heraus, ein Jahr später war deutschsprachige Erstaufführung in Wien. Die monumentale Show mit dem dazu passenden Klangbombast wurde zum Dauerbrenner – und heimste 1998 immerhin den Laurence Olivier Award ein.

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