Geschmiedet in der Schule aus Eisen

- Lucia Lacarra und Cyril Pierre _ ein Paar mit Starqualität, das jetzt ins Bayerische Staatsballett eine neue Farbe bringt, ohne den anderen Solisten etwas wegzunehmen. Mit ihren Debüts als Raymonda und Sarazenenfürst Abderakhman in Ray Barras "Raymonda" stellten sie sich nun dem Münchner Publikum vor. Glasunow war bei Valeri Ovsianikov und dem Staatsorchester in versierten Händen (Nationaltheater).

<P>Lucia Lacarra _ eine Bilderbuch-Ballerina: zierlicher Kopf auf Schwanenhals, ganz schmale Figur, sehr lange, ausgesprochen spielerisch ausdrucksvolle Arme und Hände. Ein Körper, sichtbar von Kind an geschmiedet in der eisernen Schule des Balletts. Und Cyril Pierre: ein Tänzer von bewusst trainierter Bühnenpräsenz. Furchtfreie federnde Sprung- und Dreh-Technik ist bei ihm ganz natürlich: kraftvolle Männersache. Und durch das jahrelange Zusammenarbeiten scheint ihnen in den Pas de deux eine geradezu traumhafte Sicherheit, auch eine gestalterische Harmonie gleichsam als Geschenk zuzufallen.</P><P>Meisterhaft elegant selbst die schwierigste Hebung des Abends (eine gedreht-geworfene, dann in malerischer Hingesunken-Pose auf den Boden aufgesetzte), die in anderer Besetzung meist nur so lala klappt. Und schön, wie sich ihre filigrane luftige, dennoch sich ins Dramatische steigernde Art und seine direkte Männlichkeit paaren.</P><P>Dennoch: kein einfacher Einstand. Denn eigens auf den (fast realistisch) zurückgenommenen Tanzstil des Staatsballetts wurde dieses Ballett zu-kreiert. Und darin wirkten die beiden Künstler jetzt noch eine Spur wie Gäste. Das kaum merkliche, dennoch entscheidende Abwägen von "zu viel" oder "zu wenig" in einer Rolle kann sich erst einstellen bei mehr Proben (die hier knapp waren). Letztlich erst, wenn sich Lacarra und Pierre eingelebt, ein Gefühl für ihre neuen Kollegen entwickelt haben. Gelungen bereits mit dem auch als Tanzpartner hochsensiblen Roman Lazik (der Verlobte Jean de Brienne).<BR></P>

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