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Ab nach Italien: Die Geschwister Pfister, also Toni (li.) und Ursli, sowie das Fräulein Schneider als deutsche Familie im Reisefieber.

Geschwister Pfister im Volkstheater München

Keine Lebkuchen, aber süße Schlager

München - Wer Urlaub vom Vorweihnachtsrummel braucht, der findet ihn im Münchner Volkstheater, wo er mit den Geschwistern Pfister in die Toskana fahren darf – garantiert Lebkuchen-frei, aber mit einer ordentlichen Portion Honig.

Allen Trennungsgerüchten zum Trotz reist das schrille Trio nach vier Jahren Pause wieder gemeinsam. Ja, der Toni (Tobias Bonn) und das Fräulein Schneider (Andreja Schneider) haben sogar geheiratet. Was er auf dem Kopf an Haaren einbüßte, hat sie an Pfunden auf den Hüften zugelegt – aber das steht ihr ganz hervorragend. Während am Ursli (Christoph Marti) die Zeit offenbar spurlos vorbeigeht. So kann er problemlos den 16-Jährigen Sprössling der Kleinfamilie aus dem Ruhrpott geben, die sich im schönsten Wirtschaftswunder-Gewand und knallrotem Pappkäfer auf den Weg nach Bella Italia macht.

Aber keine Sorge, auch als deutscher Urspießer mit Hornbrille und Pepitahütchen pflegt der Toni seinen Schweizer Dialekt. Fräulein Schneider ist im Glockenrock, dessen Muster Omas Wachstischdecke zitiert, „die Bulgarin, die zum ersten Mal Italien hat gesehen“, und der Ursli kauderwelscht in latent zu kurzen und knappen Hosen mit US-amerikanischem Akzent, dass sich die Alpen biegen. „Diggidiggidick“ zuckelt’s über den Brenner und mit viel „Quando, quando“ und noch mehr „Amore“ durch alles, was der deutsche Schlager an Sehnsucht nach dem Süden zu bieten hat. Und spätestens wenn Ursli, inzwischen mit stilechtem Klappstuhl und blumiger Picknicktasche gestrandet, sein „Es war Sommer“ schmachtet, ist auch das letzte Herz erwärmt, bleibt kein Auge mehr trocken.

Ralph Siegel steht Pate und hat der Pfisterfamilie netterweise die „Casa Kriemhild“ zur Verfügung gestellt, wenn nach der Pause in seiner Stammkneipe, bei „Luigi“, die große Schlagerparade steigt. Dass wir die Wirtschaftswunderjahre damit ebenso verlassen wie Italien, ist völlig nebensächlich. Viel wichtiger ist, Fräulein Schneider als Karel Gott zu erleben oder Ursli und Toni als Cindy und Bert, wobei speziell Letzterer in Gestus und Mimik so präzise getroffen wird, dass es zum Niederknien ist. Die Pfisters gleiten nie in die billige Parodie. Bei aller Komik ist ihr Vortrag handwerklich stets perfekt und von Jo Roloff mit seinem Trio kongenial arrangiert. So kommen nicht nur die Schlagerfans voll auf ihre Kosten, sondern auch die Originale. Als Ursli und Toni am Freitagabend in die Rollen der Kessler-Schwestern schlüpften und zeigten, was durchtrainierte Männerbeine so draufhaben, da applaudierten die echten Zwillinge mit offensichtlichem Vergnügen.

Zum krönenden Abschluss ist die Familie in Rom und zumindest modemäßig in den Siebzigern angekommen, die Heimreise darf konsequenterweise dann auch im Flugzeug angetreten werden. Toni sieht aus wie Kojak und bläst zum Aufbruch, während wir gemeinsam mit Fräulein Schneider bedauern, dass „die schöne Zeit geht zu Ende“. „Ciao, ciao, Bambina“ – und hoffentlich bis bald.

Nicole Langenbach

(Aufführungen bis diesen Sonntag;Restkarten eventuell an der Abendkasse.)

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