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Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu hält am 27.08.2011 in Erlangen (Mittelfranken) beim Erlanger Poetenfest sein jüngstes Buch "Für ein Lied und hundert Lieder" in den Händen.

Geschwister-Scholl-Preis 2011 für Liao Yiwu

München - In China wollte das Regime ihn mundtot machen, im deutschen Exil bekommt der Dissident Liao Yiwu in diesem Jahr den Geschwister-Scholl-Preis für seine Arbeit. Wie er die Jury überzeugte:

Der chinesische Schriftsteller und Regimekritiker Liao Yiwu wird in diesem Jahr mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Er erhält den Preis für sein Buch “Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“, wie der Landesverband Bayern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und das Kulturreferat der Stadt München am Donnerstag mitteilten. “Der Schriftsteller kämpft einen literarischen Kampf für die Wiederherstellung der Menschenwürde - er ist ein großer Künstler und ein mutiger Chronist zugleich“, hieß es in der Jury-Begründung.

In den 1980er Jahren galt Liao Yiwu als einer der wichtigsten jungen chinesischen Dichter. Den Zorn des Regimes zog er sich vor allem wegen eines Gedichtes über die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking im Jahr 1989 zu. Es trug den Titel “Massaker“ (Da Tu Sha). Er las das Gedicht und machte Tonbandaufnahmen davon, die sich im Untergrund und auch im Ausland verbreiteten. Dafür saß er von 1990 bis 1994 als politischer Häftling im Gefängnis. In seinem Buch schildert Liao Yiwu diese Zeit. “Liao Yiwus epischer, drastischer Bericht handelt von der Brutalität und Absurdität willkürlicher staatlicher Repression“, urteilte die Jury.

Liao Yiwu war im Juli dieses Jahres die Flucht aus seiner Heimat ins deutsche Exil gelungen, wo sein Buch nun erschienen ist. Jetzt plant er ein weiteres Buch - über das Peking-Massaker. Die Auszeichnung mit dem Geschwister-Scholl-Preis gelte aber nicht nur dem persönlichen Schicksal des Autors, betonte die Jury. Mit “seiner starken, mal illusionslosen, mal bildreichen Sprache“ gebe er “allen Erniedrigten Chinas eine Stimme“. Sein Buch sei erschütternd, wild und mitreißend.

Der Geschwister-Scholl-Preis ist nach den Widerstandskämpfern gegen das Hitler-Regime, Hans und Sophie Scholl, benannt und wird unweit von dem Ort verliehen, an dem die Studenten einst ihre Flugblätter verteilten. Er wird in diesem Jahr zum 32. Mal vergeben und zeichnet jeweils ein Buch aus, das “von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern“. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Joachim Gauck, Roberto Saviano, David Grossmann und die russische Regimekritikerin Anna Politkovskaja, deren Sohn die Auszeichnung nach ihrer Ermordung entgegen nahm.

Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr am 14. November im Rahmen des Literaturfestes München vergeben. Die Laudatio für Liao Yiwu wird Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller halten.

dpa

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