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Die Philharmonie im Gasteig soll abgerissen werden, so die Idee von Ministerpräsident Horst Seehofer. Der Neubau würde dann für die Philharmoniker und die BR-Symphoniker zur Verfügung stehen.

Im Gespräch mit Seehofer

OB Reiter soll Musikstadt München retten

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    Simone Dattenberger
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München - Ministerpräsident Horst Seehofer will für München offenbar nur einen Konzertsaal - das wäre ein Desaster für die Stadt. Die Philharmonie im Gasteig soll abgerissen werden.

Jetzt muss doch tatsächlich der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Musikstadt München retten, indem er trotz Geld-Zusage den Gasteig dem abreißwütigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) nicht überlässt. Am Samstag meldete das B 5-Programm des Bayerischen Rundfunks knapp, dass die Radikallösung für Seehofer feststünde. Es soll für München keinen zusätzlichen – im Übrigen dringend erforderlichen – Konzertsaal geben, sondern lediglich einen neuen. Während der Abbruch- und Bauphase hätten dann zwei der (mit Staatsoper) drei großen Orchester in der Landeshauptstadt für viele Jahre keine adäquate Spielstätte. Der Herkulessaal in der Residenz zählt nicht, schließlich hat dessen Misere zum Wunsch nach einem räumlich und akustisch international konkurrenzfähigen Saal geführt.

Die Argumente sind nun ein Jahrzehnt ausgetauscht und mit Gutachten untermauert worden. Selbst Menschen, denen Musik völlig wurscht ist, wissen, dass ein weiterer Saal her muss. Zumal es nicht nur um das BR-Symphonieorchester und die Münchner Philharmoniker geht, sondern auch um die weltberühmten Klangkörper, die bei uns gastieren möchten, und um die privaten Konzertveranstalter.

Am Montagabend soll ein Gespräch zwischen Seehofer und Reiter stattfinden. Der OB hat also nach seinem Eingreifen bei der Bayernkaserne und der dortigen Flüchtlingsüberbelegung wieder eine schöne Gelegenheit, sich als weitsichtiger Politiker zu beweisen – und als Mann der Künste. Eine unerlässliche Eigenschaft, um in München und Bayern Anerkennung zu gewinnen. Seehofer will das wohl nicht. Offenbar hat er Mariss Jansons, den Chefdirigenten des BR-Symphonieorchesters, bereits vergangene Woche mit der Mitteilung seiner Abriss-Idee vor den Kopf gestoßen. Ausgerechnet Jansons, der seit zehn Jahren für das Musikrenommee Bayerns kämpft.

Brigitte von Welser, Geschäftsführerin der Gasteig München GmbH und damit diejenige, die den tiefsten Einblick in die Sachlage hat, ist eindeutig gegen einen Abriss: „Die Seehofer-Lösung würde deutlich mehr kosten und wesentlich länger dauern, als die bestehende Philharmonie zu renovieren. Die Münchner Musikkultur läge jahrelang brach. Ich würde es bevorzugen, die Philharmonie zu entkernen und zu renovieren, außerdem den Herkulessaal aufzustocken. Wir rechnen damit, dass die Philharmonie auch für zwei Jahre nicht benutzbar  wäre,  ohne dass es einen adäquaten Ersatz gebe. Wir  haben in der Stadtratsvorlage alle Szenarien durchgespielt.“ Welser vermutet, dass Seehofer den Abriss präferiert, „um den Bau eines zweiten Konzertsaals zu vermeiden“.

Ähnlich eindeutig sieht das Alexander Reissl, SPD-Fraktionschef im Rathaus. Der „wesentliche Einwand“ gegen den Neubau der Philharmonie sei, dass „wir in München mindestens vier Jahre“ keinen Konzertsaal nutzen könnten. Reissl vermag sich nicht vorzustellen,  dass  „der Herkulessaal den Anforderungen von zwei Orchestern genügt“. Von Seiten der kommunalen CSU kommt keine präzise Aussage. Auf Anfrage unserer Zeitung will sich Josef Schmidt, zweiter Bürgermeister und Wirtschaftsreferent, nicht festlegen.

OB Reiter und Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers stehen nun in der Verantwortung, zum Wohle Münchens den Diridari-Lockungen der Staatsregierung nicht zu erliegen. Auch auf die Leitung der Philharmoniker sollten sie nicht hören, die der BR-Konkurrenz womöglich keinen Saal gönnt. Seltsam ist, dass sich die Philharmoniker nicht dagegenstemmen, verheizt zu werden. Das nährt Gerüchte. Die besagen, dass Phili-Intendant Paul Müller und Toni Schmid, Graue Eminenz im Kunst-Ministerium, bei der Plattmach-„Lösung“ zusammenarbeiten würden.

Simone Dattenberger und Christine Ulrich

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