Gespräche und Geschwister

- Mit warmem Applaus feierte die Münchner Gesellschaft der Freunde der Stiftung Haus der Kunst Christoph Vitali, als er von seinem Nachfolger Chris Dercon mit herzlichen Worten bedacht wurde. Am 15. Mai 2003 übernimmt der derzeitige Chef des Rotterdamer Boijmans Van Beuningen Museums die Direktion des Hauses der Kunst. Er stellte jetzt den "Freunden" sein Team vor. Zwei bekannte Gesichter sind dabei. Zum einen die kaufmännische Leiterin Susanne Frye, der Dercon sehr für ihre Vorbereitungsarbeiten dankte; zum anderen Stephanie Rosenthal, die schon seit einigen Jahren am Haus ideenreiche Ausstellungen kuratierte.

<P>Wie ihre Kollegen berichtete sie über ihre Ausstellungspläne. Sie will den Sakraments-Zyklus der Irin Abigail O'Brien, die diese Grundpfeiler der Religion in den Alltag übersetzt, mit Genremalerei konfrontieren. Außerdem wird Patti Smith als Gesamtkunstwerk präsentiert: mit Zeichnungen, Videos . . .</P><P>Neben Dercon und Leó´n Krempel gehört auch Thomas Weski zu den Neuen in München. Er wurde als Fotografie-Experte vom Kölner Museum Ludwig weggeholt. Er verhandelt mit der äußerst engagierten kanadischen Sammlerin Ydessa Hendeles. Ihre Collection ist in Europa kaum bekannt: Das möchte Weski ändern (2003/04), der mit Dercon und Frye zum Leitungs-Team des Hauses der Kunst gehört. Vom Frankfurter Städel kommt Lé´on Krempel, der Jüngste im Bund, dafür aber Spezialist für ältere Malerei</P><P>Er avisierte eine Erinnerung an die alte, noch nicht kriegsversehrte Glyptothek. Die Vorlage-Kartons zu Peter Cornelius' Fresken für das Museum kommen von Berlin ins Haus der Kunst. Wobei es bei den zum Teil sehr großen Tafeln (vier auf acht Meter) restauratorische Probleme gibt. Ein weiteres Projekt (2005) will Künstlergeschwister von einst bis jetzt vorstellen. Der älteste Fund: zwei Nonnen, die im 8. Jahrhundert Handschriften illuminierten. </P><P>Dercon selbst kündigte mit "Grotesken" eine erweiterte Übernahme einer Schau der Frankfurter Schirn für Juni 2003 an _ von Böcklin über Valentin bis John Bock. Eine Exposition über den Glaspalast soll nicht nur München-nostalgisch sein, sondern die Rolle dieser Ausstellungshalle für die Vorkriegskunst beleuchten. Ab 2004 wird es die Dauerpräsentation zur Geschichte des Hauses der Kunst geben. Man will sich damit auch in die Münchner Diskussion um ein Dokumentationszentrum einklinken. </P><P>Chris Dercon möchte ein möglichst offenes Haus. Das heißt nicht nur Gespräche, Kongresse, Verbindungen zu allen europäischen Museen, Austausch mit den Staatsgemäldesammlungen und sämtlichen Kunstsparten, sondern auch Kinderspielraum, gemütliches Café´ und schöne Terrasse hinter dem Gebäude. Wenn 2005 das Bayerische Staatsschauspiel die Säle im Westflügel wieder räumt, um mit der kleinen Bühne in den Marstall zurückzukehren, dann will das Dercon-Team neu über die Situation nachdenken: "Es muss nicht unbedingt eine größere Ausstellungsfläche geben . . ."<BR><BR></P>

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