Wie gesprochener Blues im Föhn

- Jetzt hat sie "scho wieder an Preis kriagt", dabei wollte sie doch keinen. Nur etwas Mitleid und "a bisserl Halt". In ihrem aktuellen Programm "SCHNOP - Der Weg ist weg" ist Luise Kinseher - als Austauschschülerin nicht aus Amerika zurückgetauscht - dazu verdammt, ihr Leben auf der Suche nach der niederbayerischen Heimat zu verbringen.

<P>Deswegen war sie am Montag abend, als ihr Bürgermeisterin Gertraud Burkert stellvertretend für OB Christian Ude den Kabarettpreis 2003 überreichte, glücklich über diese unverhoffte Bindung an München. Sie produziere "im Gegensatz zu den Comedy-Heinis aus dem Fernsehen keine Schenkelklopfer", heißt es im Jury-Urteil, mache jedoch kein provozierendes politisches Kabarett. Das brauche sie auch nicht.<BR><BR>Denn das macht ein anderer: Helmut Ruge, der zweite heimatsuchende Preisträger. "Wer nicht weiß, wo er hin soll, muss sehen, wo er bleibt" - den Baden-Württemberger zieht es nach Bayern, das einen Dialekt habe "wie gesprochener Blues im Föhn". Das Leben "auszuzln" wolle er und kritisiert in feiner Polit-Satire das, was ihn daran hindert. Entwirft das Horrorszenario einer "Agenda 2050", die auf eine "Entvitalisierungsnovelle" baut. </P><P>Die meisten Entrüstungsrufe entfachte die Politik an diesem Abend aber aus rein orthografischen Gründen: Burkert sprach das gute bayerische Kabarett französisch mit "C". Doch es war ja sowieso nichts so wie gewohnt: Den musikalischen Rahmen des Ganzen gab das Duo Hannesla & Veitl - ebenfalls preisverdächtig. Urkomisch war das Spiel auf "Bairischem Sperrmüll", auf Autohupenorgel und verstärkter Schaufel.<BR></P>

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