Deutsches Theatermuseum

Getanzte Gesamtkunstwerke

Sie signalisierten den Aufbruch in die Tanzmoderne, Sergej Diaghilews legendäre Ballets Russes. Mit der Ausstellung „Schwäne und Feuervögel – Die Ballets Russes 1909 – 1929“ hat sich das Deutsche Theatermuseum München auf die Spuren dieser legendären Truppe begeben.

Was der russische Impresario Sergej Diaghilew seinem Publikum bot, war neu und einmalig: Es waren Gesamtkunstwerke, entstanden in Zusammenarbeit und gegenseitiger Inspiration von Ausnahmetänzern, avantgardistischen Choreographen, modernen Komponisten und herausragenden bildenden Künstlern.

„Uns ging es vor allem um die Annäherung an die Ballets Russes. Und zwar über Sinnlichkeit, über Atmosphäre“, erklärt Tanzwissenschaftlerin Claudia Jeschke, die mit Co-Kuratorin Nicole Haitzinger Objekte aus St. Petersburg, Moskau, Wien, Salzburg und der Hamburger John-Neumeier-Stiftung zusammentragen konnte: Notate, Figurinen, Fotos etwa von Mikhail Fokines „Feuervogel“, Probenfotos von Bronislawa Nijinskas „Les Noces“, Originalkostüme und hinreißende Papierrepliken, angefertigt von Moskauer Studenten, sogar ein Ballettschläppchen des Tänzer-Choreographen-Genies Nijinsky. Spannend in den kreativen Prozess zurückversetzend sind vor allem die zahlreichen Kostümentwürfe von Léon Bakst, Alexandre Benois, Nicolas Roerich und Natalja Gontscharowa.

Von Zeichnung zu Zeichnung, die in sich schon tänzerische Bewegung andeuten, wandelt man den großen Balletten entlang, die noch heute auf unseren Bühnen getanzt werden wie „Frühlingsopfer“ oder „Petruschka“. Aber auch Gontscharowas phantastische Entwürfe für geplante und nie realisierte Ballette ziehen einen in ihrer farblich-malerischen Qualität in Bann. Die Farben waren auch Leitline in der Präsentationskonzeption. Im Foyer die Bildwelt „Blanc“, die – mit dem „Sterbenden Schwan“ in weißem Tüllkostüm – für die erste Dekade des 20. Jahrhunderts steht. Die Bildwelt „Multicolore“ entführt in die Periode von 1909 bis 1915, in der kräftige bunte, hart kontrastierende Farben vorherrschten, die auf ein archaisches Russland zurückverweisen. Und schließlich die Bildwelt „Unicolore“ in der Phase bis 1929, in der ausdrucksstarke Elemente der russischen Volkskultur aufgegriffen, aber schon abstrahiert in eine neue Ordnung gebracht werden. Die Fortschreibung ist George Balanchines neoklassisches „Apollon Musagète“ von 1928, das als Video zu sehen ist.

Ebenfalls auf Video: Annäherungen an den Bewegungsstil der Diaghilew-Ära, rekonstruiert und choreographiert von der ausgewiesenen Notations-Expertin Claudia Jeschke. Am 3. März eröffnet sie auch im Bayerischen Staatsballett mit dem Vortrag „Nijinsky und die Cecchetti-Tradition“ die Reihe der begleitenden Veranstaltungen.

Bis 24. Mai,

außer montags 10 bis 16 Uhr; Katalog: 26,90 Euro.

von Malve gradinger

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