Getanzte "Reise"

- Ein bisschen frisches Blut von außen könnte Münchens Tanzszene dringend gebrauchen. Aber wenn, wie soeben in der Pasinger Fabrik, von nur elf Zuschauern die Mehrzahl auch noch Freunde/Bekannte sind, bangt man doch, ob der Zuwanderer Dali Touiti durchhalten oder, entsprechend seinem Tanztheater-Titel, wieder auf "Die Reise" gehen wird.

<P>Ein Paar aus St. Petersburg will in München einem Mitarbeiter der "Brüsseler Kommission" Geheimdokumente über Menschenrechtsverletzungen zuspielen. Stattdessen bringt ein russischer Geheimdienstler die Papiere an sich. Darob steigen die beiden aus der "Mission" aus. Verkürzt Lara Kristallinens Text-Vorlage. Bruchstücke davon kommen auch zu Gehör. Also: eine schon auf dem Papier recht verschwommene Story - die in ihrer Tanzübersetzung kaum an Klarheit gewinnen kann. </P><P>Aber man muss wohl diese fünf asketischen Szenen, die Dali Touiti offensichtlich mit Null-Budget in den schwarzen Pasinger Raum - völlig nackt belassen eine stimmige düstere Bahnhofshalle - gehoben hat, als Choreographie-Start in einer fremden Stadt werten. <BR><BR>Bettina Fritsche, ernst, zart, ausdrucksvoll, auch in ihren Textpassagen, und ein nur mit N.N. ausgewiesener Tänzer bewegen sich sicher in dem halb klassischen, halb freien Vokabular, treffen auf Touiti, den "Russen", zu einem scharf konturierten Tango-Dreier (diverse Musik- und Geräuschzuspielungen) und balgen sich mit ihm in einer Geschicklichkeitssequenz um einen fetten braunen (Geheimpapier-)Briefumschlag. Ein Fundament ist da. Wird aber nicht leicht sein, in diesen harten Zeiten, die künstlerischen Stockwerke hochzuziehen . . .<BR><BR></P><P>Bis 31. Mai, Telefon 089/ 829 290 79.</P>

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