Gewagte Mixtur

- Auf Bayern 4 Klassik hat die Sendung "Meine Musik" schon lange ihren festen Platz. Was sich sonst in der trauten Zweisamkeit des Studios abspielt, hatte nun den Weg auf die Bühne des Prinzregententheaters gefunden, wo Sir Peter Jonas im Gespräch mit Oswald Beaujean sein ganz persönliches Wunschkonzert vorstellte. Ein Potpourri, das dabei nicht nur dem privaten Geschmack des umtriebigen Staatsopern-Intendanten entsprach, sondern auch wieder einmal die enorme künstlerische Bandbreite des Rundfunkorchesters unter Beweis stellte, das ihm diese Wünsche erfüllte.

Mit Ulf Schirmer stand am Pult zwar kein Unbekannter mehr für das Münchner Publikum, aber dennoch markierte dieser Abend für ihn so etwas wie einen inoffiziellen Neustart. Zu Beginn der kommenden Spielzeit wird Schirmer beim Rundfunkorchester die Position des künstlerischen Leiters übernehmen und lieferte nun noch einmal ein überzeugendes Argument für diese Entscheidung. Mit seinen Musikern schien der Dirigent jedenfalls bestens zu harmonieren, und selbst vom gewagten Stilmix zwischen Heubergers "Opernball" und Mahlers Fünfter ließ sich Schirmer nicht aus der Bahn werfen.

Das von Peter Jonas sonst so gepflegte Barock/ Händel-Repertoire war diesmal allerdings nicht gefragt und lediglich in Gestalt von Strawinskys Gesualdo-Bearbeitungen präsent, für die der Dirigent ebenso den richtigen Ton traf wie für Verdis "Stabat Mater" aus den "Quattro Pezzi Sacri".

Dass bei einem waschechten Sir die Musik aus dem Vereinten Königreich nicht fehlen darf, versteht sich fast von selbst. Wobei sich auch Ulf Schirmer bei Edward Elgar und den elegischen Tonmalereien von Ralph Vaughan-Williams hörbar wohl fühlte. "Pomp and circumstance" muss vielleicht nicht ganz so brachial klingen wie hier, sorgte durch das zackige Dirigat aber am Ende fast noch für ein wenig "Last night of the Proms"-Stimmung.

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