Gewalt in der Schule

- Ines Geipel machte mit ihrem dokumentarischen Roman "Für heute reicht's - Amok in Erfurt" (Rowohlt Berlin) von sich reden und sorgte für Kontroversen. Der Amoklauf des Schülers Robert Steinhäuser im April 2002 ist das Zentrum einer Geschichte, in der die Mitschülerin Elsa durch eigene Recherchen versucht, die Umstände der Tat nachzuvollziehen. Heute ist die 44-jährige Schriftstellerin Ines Geipel beim Internationalen Festival junger Literatur "Wortspiele" zu Gast. Noch bis zum Samstag versammeln sich - nun schon zum vierten Mal - in der Münchner Muffathalle junge Autoren, die meisten bereits bei einem Verlag unter Vertrag, und lesen im 20-Minuten-Takt aus ihren Werken. Im Anschluss an das jeweilige Programm (Beginn 20 Uhr) bestimmt das Publikum einen Tagessieger. (Karten 089/ 54 81 81 81.)

<P>Das Festival bietet Autorenlesungen als 20-Minuten-Häppchen. Lohnt es sich da, überhaupt erst anzufangen?<BR><BR>Ines Geipel: Bei einem so komplexen Thema ist es natürlich schwierig. Aber Bayern hat ja auch eine eigene Geschichte, was das Thema Schulmassaker betrifft. Mein Ziel ist, in dieser knapp bemessenen Zeit auf das Buch auch außerhalb Ostdeutschlands aufmerksam zu machen.<BR><BR><BR>Das Publikum bildet sich in diesen 20 Minuten ein Urteil. Buhlt man letztlich nicht darum mit populären oder gar reißerischen Formen?<BR><BR>Geipel: Gemäß der Konzeption des Festivals möchte ich mich mit der Auswahl der Textstellen sehr auf die Situation der Jugendlichen und ihre Fragen konzentrieren. Ob es möglich ist, dabei den Konfliktstoff voll zu entwickeln, ist natürlich ein Vabanquespiel. Es soll eben nicht nur Leichtfüßiges ans Publikum herangetragen werden. Darin liegt auch eine Chance für dieses Buch.<BR><BR>In welcher Weise kann dieser brisante Stoff geeignetes Thema für einen Dichterwettstreit sein?<BR><BR>Geipel: Ich bin gespannt zu sehen, ob es eine innere Offenheit dafür gibt, sich des Stoffes anzunehmen. Darin liegt ein gewisser Reiz. Sicherlich kann in einer anschließenden Diskussion das Thema nicht in vollem Umfang besprochen werden. Ich nehme an dem Festival teil, weil das Thema bundesweit von Bedeutung ist. Und nicht etwa, um unbedingt einen Preis zu bekommen.<BR><BR>Was erwarten Sie sich darüber hinaus von diesem Festival?<BR><BR>Geipel: Mit meinem Buch habe ich ein Vierteljahr lang gekämpft, und es hat eine große Debatte ausgelöst, was das Gewaltphänomen in unserer Gesellschaft betrifft. Nun fahre ich auch nach München, weil ich die Stimmen der anderen Autoren hören will. Weil ich Lust habe zu wissen, was die anderen machen.</P><P>Das Gespräch führte Christine Diller<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Beim Münchner Krimi-Herbst des Internationalen Krimifestivals München lesen hochkarätige Krimi- und Thriller-Autoren aus aller Welt aus ihren Büchern.
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!

Kommentare