Mit gewisser Opulenz

- Am Ende, das wissen nicht nur Bibel-Kenner, kommt die Auferstehung: Mahlers zweite Symphonie, die jenen Beinamen trägt, markiert am 19. Juli 2004 den Schlusspunkt der Ära James Levine bei den Münchner Philharmonikern. Nach fünf Spielzeiten an der Isar mit dann 130 Konzerten wechselt er zum Boston Symphony Orchestra. Am Freitag präsentierten er, Philharmoniker-Intendant Bernd Gellermann sowie Kulturreferentin Lydia Hartl das Programm der letzten Levine-Saison - die auch dieses Mal "mit einer gewissen Opulenz ausgestattet ist" (Hartl).

<P>Dass Christian Thielemann nahtlos auf Levine folgen wird, scheint sicher. Wie Lydia Hartl mitteilte, sei ihm der Vertragsentwurf zugeleitet worden, beide Seiten seien "knapp vor der Unterschrift". In den nächsten Wochen werde sie wohl das Ergebnis bekannt geben können. Thielemann habe offenbar nichts gegen eine Verkleinerung des Orchesters von 123 auf 120 Planstellen. International kann sich diese Stärke nach Meinung Hartls "sehr gut sehen lassen", das Concertgebouw-Orchester Amsterdam etwa habe "gerade auf 120 hochverhandelt".<BR><BR>Dass die Philharmoniker unter dem Spardiktat der Stadt leiden, merkt man dem Programm für die Saison 2003/ 04 nicht an - wohl aber den Eintrittspreisen. Um durchschnittlich zehn Prozent würden diese angehoben, sagte Bernd Gellermann. Dies trifft vor allem auf die Abonnements zu, für die Preisklasse I müssen die Besucher nun 288 statt 260 Euro zahlen, für Klasse VII 58 statt 49 Euro. Empfindlicher fallen die Erhöhungen bei den Einzeltickets aus: Die teuerste Kategorie schlägt nun mit 51,50 statt 40 Euro zu Buche. Ob den Philharmonikern der Geldhahn noch weiter zugedreht wird, entscheidet sich laut Lydia Hartl im April, in den nächsten Jahren komme das Orchester jedenfalls "gerade noch über die Runden".<BR><BR>Wie in der aktuellen Spielzeit gibt es auch in der folgenden die Aktion "Jugend horcht!", mit der sich die Philharmoniker um den Publikumsnachwuchs kümmern. Neben Jugendkonzerten werden ein Workshop mit Fabio Luisi, Probenbesuche und Instrumenten-Demonstrationen angeboten. Für betuchte Kunden haben sich die Philharmoniker eine Neuheit ausgedacht. Gruppen bis 20 Personen können eine individuelle Konzerteinführung buchen, die auch eine Gasteig-Führung beinhaltet, zur Stärkung wird Sekt gereicht, Kostenpunkt: 120 Euro.<BR><BR>Einen Programmschwerpunkt hob Gellermann hervor: Die Alte Musik möchte man nicht mehr Spezialensembles überlassen, in mehreren Konzerten werden daher Werke des Barock aufgeführt. Prominentester Termin ist das Silvesterkonzert, das nicht mit Beethovens unvermeidlicher Neunter aufwartet, sondern mit Rameau, Händel und Bach.<BR><BR>Zum Abschied Levines unternimmt das Orchester noch einmal eine Europatournee, die Spielzeit klingt aus mit zwei Mammutprojekten: Mahlers Zweiter und einer konzertanten Aufführung von Wagners "Parsifal". Bleiben von der Ära Levine dann nicht mehr als Erinnerungen? Der Dirigent räumte ein, dass man zunächst an CD-Projekte gedacht, bislang aber keines verwirklicht habe. Er, der auf dem Markt mit einer Unzahl von Aufnahmen vertreten ist, gab sich nun plötzlich CD-kritisch und erinnerte daran, dass diese kaum mehr abgesetzt werden könnten. Dennoch: Alle Münchner Levine-Konzerte, so Gellermann, seien aufgenommen worden, man überlege daher, einen "Querschnitt" der fünf Levine-Spielzeiten auf Silberscheiben zu pressen.</P>

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