Giacomo Puccinis aufregende Krimis

- Mit der Premiere von Puccinis Einaktern "Der Mantel", "Schwester Angelika" und "Gianni Schicchi" in der Regie von Friedrich Meyer-Oertel, bot das Gärtnerplatztheater im März 1996 den Münchnern seit 1959 erstmals wieder das "Triptychon" komplett. Nun, bei der Wiederaufnahme, fehlt - "auch aus technischen Gründen" wie im Programmheft zu lesen - das Mittelstück "Schwester Angelika".

<P>Doch das mindert in keiner Weise den Gesamteindruck eines lebendigen und kurzweiligen Opernabends, denn Puccini führt in "Mantel" und "Gianni Schicchi" genügend Aspekte menschlicher Leidenschaften vor. Geht es im Stück "Der Mantel" um Mord aus Eifersucht, unerfüllte Liebe und Gesellschaftskritik im Pariser Schlepperkahn-Milieu um 1918, so wirft die Erbschleicherposse "Gianni Schicchi" aus dem Florenz des Jahres 1299 ein Licht auf menschliche Verstellung, Habsucht, List und Eitelkeit.</P><P>Diese unglaubliche Mischung aus Tragödie und Komödie wirkt in Meyer-Oertels Inszenierungen weder aufgesetzt melodramatisch, noch klamottenhaft, sondern außerordentlich spannend. Packend wie im Krimi präsentierten insbesondere ein stimmlich markanter Richard Salter als Marcel, Christine Rohsmann als seine junge Frau Georgette und Harrie van der Plas als ihr Geliebter Henri die Handlung der Flussschiffer-Tragödie in naturalistischer Kulisse.</P><P>Nach anfänglicher Diskrepanz zwischen Stimmführung, Textverständnis und Orchesterlautstärke stellte David Stahl, der diese Produktionen erstmals dirigierte, ein subtiles Gleichgewicht zwischen Sängerensemble und Orchestergraben her. Ausgewogen hingegen von Beginn an das komödiantische Ensemble in "Gianni Schicchi". Hier sang beispielsweise Má´rta Kosztolá´nyi zärtlich betörend die berühmte Arie der Lauretta "O mio babbino caro / Väterchen, teures, höre". Thomas Gazheli gibt den verschmitzt-gerissenen Gianni Schicchi. <BR>Beide Opern, in zahlreichen Partien neu besetzt, wurden mit ungeheurer Intensität, Leidenschaft und Witz gespielt, die Lust auf mehr machen. <BR></P>

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