Es gibt keine Zufälle

Film-Interview: - Mira Nair (49) gewann 1988 in Cannes für "Salaam Bombay!" den Preis für den besten Debütfilm und behauptet sich seitdem erfolgreich als unabhängige Filmemacherin. Diese Woche startet ihr neuer Film "The Namesake".

In "The Namesake" erzählen Sie von Indern, die in den USA leben - so wie Sie. Ist das ein Werk, mit dem Sie ihre eigene Identität analysieren?

Eigentlich geht es in "The Namesake" nicht um Identität, sondern um Freiheit. Ein Inder, der in den USA aufwächst, lernt, seinen eigenen Weg zu gehen. Er wird nach seinem Äußeren, dem Namen beurteilt, aber es zählt die Seele. Und die Seele hat keine Nationalität. Millionen Menschen wachsen überall auf der Welt zwischen den Kulturen auf. Und das ist gut. Wir alle profitieren davon.

Seit ihrem Durchbruch mit "Saalam Bombay!" wurden Ihnen immer wieder große Hollywood-Filme angeboten. Aber Sie haben abgelehnt, zuletzt den fünften Teil von "Harry Potter". Weshalb?

Wie soll ich sagen: Das Leben ist zu kurz, als dass man immer das machen könnte, was andere von einem erwarten. Wenn ich "Harry Potter" angenommen hätte, wäre "The Namesake" nie zustande gekommen. Aber im Moment arbeite ich gerade mit Johnny Depp an einem sehr teuren Film!

In "The Namesake" bestimmt der Name des Helden dessen Leben - glauben Sie an Schicksal?

Ich glaube, dass es keine Zufälle gibt. Wie die Menschen das deuten, liegt in deren Hand. Sie heißen zum Beispiel Zoran, so wie mein Sohn und interviewen mich zu einem Film, in dem es um Namensvettern geht.

"Zoran" ist da, wo ich herkomme, kein seltener Name.

Mag sein, aber ich habe noch nie einen getroffen. Wo kommen Sie her?

Aus Bosnien.

Mein Sohn hat also einen bosnischen Namen, das ist ja lustig. Bei uns bedeutet "Zohran" "aufgehender Stern" und bei Ihnen?

Etwas Ähnliches: "Zora" ist die Morgenröte.

In Wahrheit haben Sie also einen indischen Namen!

Möglich, "Zoran" ist ursprünglich ein "Zigeuner"-Name, die Volksgruppe kommt aus...

Ich weiß - aus Indien!

Eine letzte Frage: Nikolai Gogol spielt in Ihrem Film eine große Rolle - ist das Ihr Lieblingsschriftsteller?

Ich mag ihn, aber meine Verehrung gilt Anton Tschechow. Die Leichtigkeit, mit der er tiefste menschliche Regungen auslotet, hat mich immer inspiriert.

Tschechow ist auch mein Favorit.

Sehen Sie, was ich meine: Es gibt keine Zufälle.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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