Pinakothek der Moderne: Das sehen Sie bis zur Schließung

München - Die Pinakothek der Moderne schließt zwar im Februar 2013. Doch bis dahin werden noch viele Ausstellungen geboten. Hier ein Vorgeschmack.

Den Schneid lässt sie sich nicht abkaufen – Münchens Pinakothek der Moderne (PDM). Obwohl im Februar kommenden Jahres das Haus des Designmuseums Neue Sammlung, der Sammlung Moderne Kunst und der Ausstellungsräume für das TU-Architekturmuseum und die Staatliche Graphische Sammlung schließen muss, pocht es trotzig auf seine Pläne. Naturgemäß sind diese bereits jetzt massiv gestört durch die Risse in der Rotunde des Baus, die einer Sanierung bis September ’13 bedarf (wir berichteten). Also noch schnell so viel wie möglich in dem Gebäude genießen, das vor zehn Jahren eröffnet wurde.

Bevor es in den Herbst geht, nimmt ab 31. August eine ganz besondere Pflanzen-Schau den Besucher mit vom Sommer in die Zeit der Ernte. Die Sammlung Moderne Kunst hatte 75 Originalfotografien von einem der wichtigsten Fotografen der ganz alten Generation, Karl Blossfeldt (1865-1932), erwerben können. In seine stille Zauberwelt entführt die Ausstellung „Karl Blossfeldt und die Sprache der Pflanzen“ (bis 21.10.) und stellt damit erstmals diesen imposanten Sammlungszuwachs vor.

In Naturgefilden scheint man sich auch bei Max Weilers Zeichnungen zu befinden. Der Maler (1910-2001) wird von der Graphischen Sammlung ab 13. September als herausragender Könner der anderen Zunft gewürdigt. Faszinierend ist dabei die weite Spanne seines Schaffens, das man gerade in dieser Gattung, also im Wesen der Zeichnung lebendig und hautnah mitempfinden kann (bis 18.11.).

Einmal nicht aufs Werk schauen, sondern auf den Schöpfer: Dieses Ziel verfolgt das Architekturmuseum mit seinem Projekt „Der Architekt – Geschichte und Gegenwart eines Berufsstandes“ (27. 9. 2012 bis 27. 1. 2013). Vom Baumeister über den Organisator bis zum Superkünstler reicht das Berufsbild. Pathos und Demütigung liegen gerade in dem Arbeitsfeld stets nahe beieinander.

Das kann man doch gar nicht benutzen! Stimmt. Stefan Wewerka (Jahrgang 1928) hat bei seinen Möbel-Skulpturen nie darauf Wert gelegt. Dennoch bietet die Neue Sammlung dieses ganz spezielle „Design“ seinen Besuchern in „Querschnitt: Stefan Wewerka“. Es darf gelacht werden, wenn der Stuhl sich schnell wegkrümmt – man mag schließlich nicht von jedem be-sessen werden (11. 10. 2012 bis 3. 2. 2013).

Mit Zeichnungen unternimmt die Pinakothek der Moderne einen Brückenschlag zur Alten Pinakothek. Anlass ist die Huldigung an das Münchner Sammler- und Galeristenpaar Verena und Bernd Klüser. Das Unternehmen nennt sich „R/Evolution auf Papier – fünf Jahrhunderte in Zeichnungen“. Es fächert in der PDM mit zahlreichen Blättern gewissermaßen den ganzen Joseph Beuys (1921 bis 1986) auf, und drüben die Zeichenkunst vom 16. Jahrhundert bis zum Heute (18.10. 2012 bis 20. 1. 2013).

Zehn Tage später werden zwei Querköpfe ins Gedächtnis zurückgerufen: Richard Tuttle (Jahrgang 1941) und John Cage, der vor 100 Jahren geboren wurde (1992 gestorben). Mit der Tuttle-Schau signalisiert die PDM außerdem ihre Verbundenheit zur Heimat und ihren Menschen: Die Arbeiten der Zartheit und Bescheidenheit stammen aus Münchner Privatsammlungen. Stille liebte Cage ebenfalls, der übrigens 1991 für die Neue Pinakothek die Ausstellung „Museumscircle“ entwickelt hatte. Per Zufallsauswahl wurden Exponate aus allen Münchner Museen zusammengetragen und professionell präsentiert. Ab 30. 10. werden seine Zeichnungen zu sehen sein,  die sich auf den Steingarten des buddhistischen  Ryoanji-Klosters beziehen  (bis  17. 2. 2013).

Im November dann stellt sich der neue Chef des Referats Klassische Moderne mit seiner Schau „Licht-Bilder – Fritz Winter und die abstrakte Fotografie“ vor. Oliver Kase war bisher für die Fritz-Winter-Stiftung zuständig und gestaltet aus diesem Wissensfundus den medienübergreifenden Blick auf einen besonderen Aspekt im Frühwerk Winters (bis 10. 2. 2013).

Für den (echten) Winter plant die Graphische Sammlung ebenfalls eine Reverenz für Sammler und Stifter. Walter und Brigitte Kames hatten ihr Konvolut an Lithografien von Honoré Daumier (1808 bis 1879) der Museumsstiftung übergeben (wir berichteten). Mit den „neuen“ 3000 Blättern und den eigenen 700 besitzt die Sammlung nun den größten Bestand in Deutschland. In der Ausstellung soll vor allem gezeigt werden, wie Daumier ein Thema in ganzen Folgen dargestellt und aufgespießt hatte (bis 17. 2. 2013).

Fast gleichzeitig startet „Urushi – Lack und Design. East Meets West“. Geschildert wird die Zusammenarbeit von Designlegende Ettore Sottsass (1917-2001) und den japanischen Meistern des Lackhandwerks Urushi kogei. Dass der postmoderne Spring-ins-Feld so intensiv auf die meditative Machart einging, ist die Überraschung. Eine wunderbare geistige, kulturelle und gestalterische Befruchtung (bis 17. 2. 2013).

Ja, und mit dem Ende dieser Expositionen im Februar kommenden Jahres wird die Pinakothek der Moderne nicht mehr zugänglich sein. Die vier Museen machen sich jedoch Mut – und uns gleich mit: Die sogenannte „Schaustelle“ wird als luftiger Pavillon an der Gabelsberger-, Ecke Türkenstraße errichtet (Initiative der Stiftung Pinakothek der Moderne). In und auf diesem temporären Bau wollen die Teams Neues ausprobieren – zwischen Ausstellung und Film, Werkstattarbeit und Feiergaudi.

Von Simone Dattenberger

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