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Sönke Wortmann gibt seinen Hauptdarstellern Anke Engelke und Justus von Dohnányi bei den Dreharbeiten Anweisungen für die nächste Szene.

Interview zum Kinostart

„Es gibt viel Diskussionsbedarf“

München - Regisseur Sönke Wortmann spricht im Interview über seinen Film „Frau Müller muss weg“ und das schwierige Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern.

Eine Komödie über einen Elternabend an der Schule. Kann das wirklich lustig sein? Selbstverständlich – schließlich hat Sönke Wortmann (55) diesen Film mit dem prägnanten Titel „Frau Müller muss weg“ gedreht, der am Donnerstag in die Kinos kommt. Dass Wortmann Komödie kann, weiß man eigentlich seit „Kleine Haie“ oder „Der bewegte Mann“ – man hat es nur vor lauter Buchadaptionen („Schoßgebete“, „Die Päpstin“) und Fußballfilmen wie „Das Wunder von Bern“ oder „Deutschland. Ein Sommermärchen“ beinahe vergessen. Wir haben mit dem Regisseur und Familienvater gesprochen.

Wie haben Sie „Frau Müller“ entdeckt?

Ich arbeite ja gelegentlich auch an der Bühne und bin seit langem ein großer Fan des Berliner Grips-Theaters. Daher musste ich nicht lange überlegen, als mir der Intendant Stefan Fischer-Fels ein neues Stück von Lutz Hübner schickte. Beim ersten Lesen war ich schon begeistert und beim zweiten Lesen dachte ich mir dann, da kann man auch gut einen Film draus machen.

Sie haben das Stück für die Bühne erarbeitet und dann vor der Kamera umgesetzt. Wo liegt der Unterschied zwischen der Inszenierung eines Kinofilms und der eines Theaterstücks?

Beim Theater steht klar die Arbeit mit den Schauspielern im Vordergrund. Beim Film ist es nicht völlig anders, aber man hat doch visuell mehr Möglichkeiten, seine Geschichte zu erzählen. Die Optik spielt hier eine große Rolle, und da muss ein Kinofilm natürlich auch etwas zu bieten haben.

Im Theaterstück waren andere Darsteller zu sehen. Haben Sie für den Film bewusst auf bekanntere Namen gesetzt?

Ich war sehr glücklich mit meinem Ensemble am Grips-Theater. Aber wenn Sie den Theaterbetrieb kennen, dann wissen Sie auch: Ich hätte mit denen aufgrund von Proben und Vorstellungen gar nicht drehen können, selbst wenn ich gewollt hätte. Die Prominenz der Schauspieler stand dann bei der Besetzung nicht im Vordergrund, sondern die Qualität. So kam ich schließlich auf diese Truppe mit Justus von Dohnányi, Anke Engelke, Mina Tander, Alwara Höfels und Ken Duken. Und Gabriela Maria Schmeide als Frau Müller, nicht zu vergessen.

Zum Thema Schule hat eigentlich jeder eine Meinung. Haben Sie sich noch irgendwie vorbereitet?

Ich habe selbst drei schulpflichtige Kinder und kenne daher die Elternseite. Ich kenne aber auch ein paar Lehrer. Mit denen habe ich natürlich gesprochen. Immer, wenn ich Lehrern und Eltern davon erzählte, kamen sofort Reaktionen wie „Das wird aber mal Zeit“ oder auch „Oh Gott“. Schon nach den Aufführungen merkte ich, dass es zum Thema Schule und Elternabende viel Diskussionsbedarf gibt. Und Film ist ja noch populärer als Theater, daher werden wir jetzt hoffentlich noch mehr Leute erreichen. Das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern erscheint mir als sehr verhärtet. Ich würde mir wünschen, dass der Film das etwas aufbrechen kann und anregt, wieder aufeinander zuzugehen und ins Gespräch zu kommen.

Der Übertritt nach der vierten Grundschulklasse, um den es in dem in Dresden angesiedelten Film geht, wird auch in Bayern oft diskutiert...

Ja, in Bayern zählt ausschließlich die Zeugnisnote in den Hauptfächern und die Eltern können gar nicht mitsprechen, so wie das in den meisten Bundesländern üblich ist. Da ist der Leistungsdruck natürlich noch höher. Ich lebe in Nordrhein-Westfalen, da hat sich seit der letzten Wahl einiges geändert. Damals wurde Schwarz-Gelb von Rot-Grün abgelöst, und bildungspolitisch sieht man das daran, dass die Schulen nun zwar eine Empfehlung aussprechen, die endgültige Entscheidung aber bei den Eltern liegt. Das ist meiner Ansicht nach auch richtig so.

Ihr Film zeigt verschiedene Elterntypen, die alle ihre Schwierigkeiten mit der Erziehung haben...

Das stimmt sehr genau mit der Realität überein, habe ich gesehen. Wer Kinder hat, kommt in Berührung mit anderen Eltern, und die lassen sich bald in bestimmte Kategorien einteilen. Nirgendwo sonst im Alltag prallen so unterschiedliche Typen aufeinander wie bei einem Elternabend.

Gilt Ihre Kritik mehr den Eltern oder dem Schulsystem? Die Lehrerin kommt ja recht gut weg.

Ja, die Lehrerin kommt vergleichsweise gut weg. Aber eher nach dem Prinzip des Einäugigen unter den Blinden. Denn sie macht auch Fehler, die Frau Müller. Ich kritisiere aber gar nicht, ich stelle eher zur Diskussion. Ich denke, dass das Schulsystem verbesserungswürdig ist. Dadurch entsteht nicht nur auf die Schüler, sondern auch auf die Eltern ein großer Druck, und deswegen verhalten die sich so komisch. Die Haltung bei den Eltern ist heutzutage: Wenn mein Kind kein Abitur hat, hat es keine Chance mehr im Leben. In dieser Entscheidungsphase sind die Kinder gerade mal zehn Jahre alt. Natürlich ist das Quatsch, und es gibt auch noch unzählige weitere Möglichkeiten im Leben. Aber es fällt manchmal schwer, angesichts dieser Verhältnisse einen kühlen Kopf zu bewahren, das verstehe ich schon.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

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