Da gibt's kein Halten

- Das Leben im Haus des Lampenhändlers Hieronymus könnte so unkompliziert sein, wenn einfach nur jeder von Anfang an ehrlich zum anderen wäre. Aber mal ganz unter uns, wer ist schon immer vollkommen ehrlich zu seinen Mitmenschen? Außerdem wäre Domenico Cimarosas "Heimliche Ehe" in diesem Fall bereits nach wenigen Minuten vorbei, und das Publikum um einen ausgesprochen amüsanten Abend betrogen.

Denn so einer ist der Münchner Kammeroper auf Schloss Nymphenburg allemal gelungen. Zunächst steht das quietschig bunt kostümierte Personal des turbulenten Verwirrspiels reglos wie Porzellanfiguren in den Fensternischen. Doch sobald das Geschehen einmal in Gang kommt, gibt es auf der spartanischen Bühne kein Halten mehr.

Mit von der Partie ist hier auch Regisseur Dominik Wilgenbus, von dem ebenfalls die neue, aufgepeppte Textfassung stammt. Er führt als Erzähler durch das Geschehen, erspart mit seinen humorvoll trockenen Kommentaren manch langatmiges Rezitativ, stößt den Zuschauer aber ab und zu auch etwas zu direkt mit der Nase auf das doch Offensichtliche.

In neuem Gewand präsentiert sich ebenfalls die Musik, die in Alexander Krampes Arrangements nicht nur durch den Einsatz eines Akkordeons einen ganz besonderen Klang erhält. Martin Hannus setzt diese reduzierte Fassung mit seinen Musikern gekonnt um und hat dabei stets ein Auge auf die jungen Sänger, unter denen vor allem Dora Pavlikova und Katrin Stuber als zankende Schwestern überzeugen.

Aber auch dem Grafen Robinson von Uwe Schenker-Primus sind trotz seiner etwas rohen Umgangsformen die Sympathien des Publikums sicher, kostet er doch stimmlich wie darstellerisch jede Facette seiner Rolle aus. Die Zuschauer im Schloss dürfen dabei nicht nur mit Applaus unterstützen, sondern auch schon mal dem Beleuchter unter die Arme greifen. Und natürlich fest die Daumen drücken, damit es am Schluss doch noch für alle ein Happy End gibt.

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