Mit Rex Gildo im Paradies

Schauburg: - Das ist ein wunderschöner Abend. Und das in einem Keller! Allerdings im sehr speziellen "Südseekeller" aus der Feder von Jule Ronstedt. Bekannte Schauspielerin ist sie längst, Regie führt sie auch leidenschaftlich gern. Und nach ihrem gelungenen finnischen "Flusspferde"-Märchen hat sie fürs Münchner Theater der Jugend jetzt ihr eigenes Stück inszeniert, inspiriert von einer Zeitungsmeldung.

In der Schauburg stehen nun Mutter und Tochter in schicker Reisemontur mit fetten Koffern oben am Kellertreppenabsatz, Papa soll sich doch bitte beeilen, das Taxi warte. Und der: Familie pleite, Ferien diesmal hier im Keller. Dann merken es die Nachbarn nicht.

Wie da Elisabeth Wasserscheid ehefraulich ihre Enttäuschung, ihre Scham - Vertrauensbruch! Versager! Immer schon gewusst! - explodieren lässt, wie Marie Ruback in aggressiv wippendem Petticoat ihre Teenie-Wut dem Vater entgegenkrächzt und Tim Kalhammer-Loew bedripst, aber doch standhaltend, Schlafmatten und Minikühlschrank ranschleppt - das ist emotional hinreißendes Theater mit sprachlichem Original-Ton direkt aus dem Zentrum der Familienkrise.

Aber das Schönste kommt ja noch: Wenn alle in den Schlafsäcken ratzen, schnurrnäselt die genügsame Kellerratte Andreas Thiele mit blinkendem Nagezahn ihr Spottlied auf das verwöhnte Menschenpack, kommen auch die beiden Sombrero-Musiker Toni Matheis und Tobias Weber aus ihrem Lattenverschlag nach vorne und intonieren - schier zum Niederknien - mit dem zum Cowboy verwandelten Papa den Hoffnungssong "Morgen".

Zwischen Frühstück auf dem Surfbrett, Ausbruchsversuch der Rastaschopf-Tochter und allmählichem weiblichem Einsehen stellt sich über noch mehr Schlager der 50- und 60er-Jahre allmählich wieder Familienfrieden und Harmonie ein. Papa kräftigt seine Identität mit Catharina Valentes "Ich bin stark". Und mit Rex Gildo und Peter Alexander träumt sich das Trio samt Tochters Schatz Paul (auch Andreas Thiele) musicalreif in ein Paradies mit Sonne, Palmen und Meer. Hartz IV klingt an, ein sozialkritisches Stück ist dies trotzdem nicht, aber eines, das zeigt, dass es zum Familienglück manchmal nur etwas Bescheidenheit und Fantasie braucht.  malve gradinger

Karten unter Tel. 089/ 23 33 71 71.

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