Es ging zur Sache

- Wer hat Angst vor Strawinsky, Skrjabin und Silvestrov? Offensichtlich zum Teil das Stammpublikum der Münchner Philharmoniker. Dabei hätte zum Fernbleiben kein Grund bestanden, im Gegenteil! Igor Strawinskys "Scherzo fantastique" op. 3, opulent besetzt unter anderem mit drei Harfen, zeichnet sich durch eine wunderbare Klangfarbenmischung und Dynamik aus, die Vladimir Jurowski mit seinem feinsinnigen Dirigat subtil freilegte. Für das Klavierkonzert in fis-moll op. 20 von Skrjabin hatten sich die Philharmoniker den russischen Pianisten Alexander Ghindin eingeladen.

Skrjabin fordert hier von allen ein unmittelbares Zur-Sache-kommen, verzichtet auf ein langes Orchestervorspiel. Schnell und eher unspektakulär erfolgt der Soloeinstieg des Pianisten. In dem in seiner Gesamtstimmung lyrisch und doch auf Effekte angelegten Konzert, das mit Fanfarenstößen und perkussiven Akkordballungen durchzogen ist, war Ghindin mit seinem kraftvollen Spiel weniger der exponierte Solist, vielmehr schien er im Dialog mit dem Orchester zu verschmelzen. <BR><BR>Neuland für die Münchner war die deutsche Erstaufführung der 5. Symphonie von Valentin Silvestrov. "Musik braucht keine Worte", so wandte sich Vladimir Jurowski ans Publikum und nahm sich dann doch gut zehn Minuten Zeit, das Werk vorzustellen. Schlüssig erläuterte er die Struktur des fast vor einem Vierteljahrhundert geschriebenen einsätzigen Konzertes, in dem ein apokalyptisches Bild der nuklearen Katastrophe gezeichnet wird. Es beginnt und endet mit gleichen monolithischen Akkorden und ist als Blick von außen auf den Menschen zu verstehen. Subtil, in sorgfältiger Detailarbeit, entwickelte Jurowski das farben- und variantenreiche Klang-Gebäude. Der auf die Bühne geholte Komponist Silvestrov schien vor den Ovationen eher flüchten zu wollen.<BR><BR>

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