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Von nun an ging's bergab

- Es konnte nicht viel schief gehen. Ulrich Matthes und Corinna Harfouch wurden schon in Jürgen Goschs Inszenierung von Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" im Deutschen Theater umjubelt. Auch die französische Dramatikerin Yasmina Reza gilt als Garantin für volle Häuser. So hatte das Deutsche Theater Berlin zum Auftakt der Spielzeit eine sichere Bank: Die Uraufführung von Rezas neuem Stück "Im Schlitten Arthur Schopenhauers" bekam am Donnerstagabend kräftigen Beifall.

Gosch lässt dem Ensemble viel Raum, das eigenwillige Prosastück aus acht Monologen mit Leben zu füllen.

In der Farce mit dem sperrigen Titel geht es um Ehe, Liebe, Sex, Alter, Tod und Vergänglichkeit - und um Philosophie, wobei Reza dem Zuschauer einige Aufmerksamkeit abfordert, aber auch Witz eingebaut hat. Zu Beginn darf Harfouch als Nadine Chipman sich bebend darüber auslassen, dass ihr Mann die Angewohnheit hatte, Orangen mit den Händen zu schälen. Dann zerpflückt sie schon den Philosophen Spinoza, dem sich ihr Mann wissenschaftlich widmet. Diese Bandbreite zieht sich durch das ganze Stück: Tragisches steht neben lässiger Beobachtung, Alltagsironie mischt sich mit pessimistischen Abgründen, scheinbares Geschwätz mit Weisheit.

Ihr Mann, Philosophieprofessor Ariel Chipman (Matthes), sieht sich selbst in seiner Depression im "Schlitten" des düsteren Schopenhauers. Es geht bergab mit ihm, wie auch sein räudiger Morgenmantel demonstriert, mit dem er sich in den abgewetzten Ledersessel plumpsen lässt. Dieser Sessel und ein Stuhl, dazu eine tiefe Bühne als Guck-Kasten in abgestuften Grautönen (Bühne: Johannes Schütz): Kaum etwas lenkt ab von den vier Schauspielern (Ernst Stötzner als Ariels Freund und Gabriele Heinz als Psychiaterin), die zueinander sprechen, aber nie miteinander.

Gosch hatte bereits 2005 Rezas "Ein spanisches Stück" am Hamburger Schauspielhaus auf die Bühne gebracht. Die 49-Jährige ("Kunst", "Drei Mal Leben") gehört zu den meistgespielten Autoren der Gegenwart und hat hohe Ansprüche an die Besetzung ihrer Stücke - in Berlin dürften diese erfüllt worden sein. Am Schluss der Uraufführung gibt es besonders viel Beifall, als sich die eigens angereiste Autorin dem Publikum zeigt. In Paris hat das Werk Ende September Premiere. Dann steht Reza als Nadine selbst auf der Bühne.

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