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Giorgio Moroder in München: Das Filmfest widmet ihm die Open-Air-Reihe.

Münchner Filmfest

"Da tanzt sogar ein Mann"

München - Dem Oscar-Preisträger Giorgio Moroder widmet das Münchner Filmfest die Open-Air-Reihe. Nun gab sich der legendäre Komponist selbst die Ehre - mit einem Kurzauftritt.

Er ist nicht oft hier. Um nicht zu sagen: sehr selten. So selten, dass ihn selbst die in München lebende Sängerin Roberta Kelly bei einer Gesprächsrunde aufsuchen muss, um ihn zu sehen. Dabei ist sie nicht irgendwer, mit ihr hat Giorgio Moroder Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger drei Alben produziert und mehrere Disco-Hits („Trouble Maker“, „Zodiacs“, „Funky Stardust“). Der Musik- und Filmkomponist ist zur Eröffnung des 30. Münchner Filmfests aus Los Angeles angereist. Festival-Leiterin Diana Iljine hatte ihn eingeladen und ihm die Open-Air-Reihe gewidmet.

Wer Moroder nun aber kennenlernen wollte, den Mann, der in den Musicland-Studios im Arabellapark den „Sound of Munich“ kreierte und später drei Oscars gewann, der musste selbst Karten für die Eröffnung haben – oder am Freitag um 13.30 Uhr im Studio 2 des Bayerischen Rundfunks auf ihn warten, wie Roberta Kelly. Giovanni Giorgio Moroder, mittlerweile 72, trägt ein rosa Hemd über seinem Bäuchlein, als er die „filmtonart“-Bühne an der Seite von Moderator Fritz Egner und Bayern-3-Kinochef Markus Aicher betritt. Er spricht Südtiroler Dialekt mit amerikanischem Einschlag, lebt er doch seit 1978 in den USA.

Zu erzählen gibt es viel, Moroder hat als Musikproduzent mit den Sparks zusammengearbeitet, mit Elton John, David Bowie, Freddie Mercury, Blondie, Barbra Streisand, Chaka Khan, mit Eurythmics, Pat Benatar und Cher. „Wirklich?“, fragt Moroder, als Aicher diese Liste vorliest. „Wenn es in Wikipedia steht, dann muss es stimmen.“ In der Online-Enzyklopädie steht freilich auch, dass er Hansjörg mit Vornamen heißt, doch das stimmt so nicht, „so hat mich nur meine Mutter genannt“, damals, im Grödnertal, wo Moroder aufwuchs.

Er gilt als ein Pionier der elektronischen Musik, wurde in den frühen Siebzigern bekannt, als er mit Synthesizern experimentierte. Den Durchbruch feierte Moroder an der Seite von Donna Summer, deren Welt-Hit „Love to Love You Baby“ er 1976 produzierte. „Ich wollte damals unbedingt etwas mit Sex machen“, sagt Moroder, „und zu meiner großen Überraschung haben sich die Plattenfirmen um das Demo-Band gestritten.“ In den Folgejahren entstand in den Musicland-Studios der typische Disco-Sound (wenig Text, viele Beats, ständige Wiederholungen), der die Zeit prägen sollte und als „Sound of Munich“ in die Geschichte einging.

Moroder erhielt das Angebot, die Musik für Alan Parkers Film „Midnight Express“ (1978) zu schreiben. „Ich habe natürlich Ja gesagt, weil es als Pop-Mann damals unmöglich war, in die Filmbranche reinzukommen. Damals hat es nur Musiker gegeben, die von der Klassik kamen.“ Moroder komponierte unter anderem das Stück „Chase“ auf seinem Synthie – und gewann seinen ersten Oscar für die beste Filmmusik. Den zweiten bekam er für den Song „What A Feeling“ (interpretiert von Irene Cara) in „Flashdance“ (1983), den dritten für „Take My Breath Away“ (von Berlin) in „Top Gun“ (1986).

Den zweiten Oscar holte sich Moroder nicht selbst ab („Ich war in Europa und habe gedacht, ich gewinne sowieso nicht, also brauche ich gar nicht hingehen“), doch an den Film „Flashdance“ erinnert er sich gerne. In Hollywood habe es damals viele Gerüchte gegeben, erzählt Moroder: „Niemand wusste, was das für ein Film sein sollte. Ich hatte gehört, es könnte ein Softporno sein.“ Er sagte dem Produzenten Jerry Bruckheimer den Auftrag erst zu, als eine Freundin beim fertigen Film weinte. „Ich habe mich dann auch in Jennifer Beals verliebt“, gesteht Giorgio Moroder. Dabei hat die nur einen Teil der berühmten Tanzszene selbst gedreht, wie er sagt. Schlimmer noch: In der Breakdance-Szene ganz am Ende, „da tanzt sogar ein Mann“.

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