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Bereit für die Homestory: Gisela Schneeberger als reiche Witwe Gisela Hofstetter im ZDF-Zweiteiler „Bier Royal“. Eine Rolle, mal wieder, die der Münchnerin wie auf den Leib geschneidert scheint.

Gisela Schneeberger spielt im TV-Zweiteiler „Bier Royal“ und wünscht sich von der Branche:

„Mehr Mut!“

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München, Bier, Society – und eine Brauereidynastie, die ihre Finger überall im Spiel hat. Der zweite Teil der Komödie „Bier Royal“ läuft am 30. Januar um 20.15 Uhr im ZDF. Gisela Schneeberger spielt darin die Witwe des verstorbenen Brauerei-Patriarchen, die mit ihrer Stieftochter einen bissigen Streit um die Fortführung der Firma führt. Auch privat ist die 70-jährige Schauspielerin nicht auf den Mund gefallen.

„Bier Royal“ – der Titel erinnert an Helmut Dietls Kultserie „Kir Royal“. Hatten Sie als alte Dietl-Wegbegleiterin Sorge, dass man den Zweiteiler an

„Kir Royal“ messen wird?

Um ehrlich zu sein, stand ich bei dem Titel total auf dem Schlauch. Erst bei Drehbeginn fragten dann die Kollegen: „Ach, das erinnert ja so an Dietl, findest du das nicht ein bisschen heikel?“ (Lacht.)

Und – fanden Sie’s heikel?

Na ja, es ist immer gewagt, wenn man irgendwie versucht, eine Dietl-Assoziation hervorzurufen. Der Dietl ist unerreicht in seiner Genauigkeit. Bei ihm waren ausnahmslos alle Schauspieler grandios.

Wie hat er das gemacht?

Er hat sich große Gedanken bei der Besetzung gemacht, da war keiner austauschbar. Und er hat total genau zugehört – und hat sofort gemerkt, wenn du nur eine Silbe weggelassen hast. Er hat ein so genaues, scharfes, aber ganz liebevolles Auge gehabt. Seine Texte waren komponiert wie Musikstücke. Jahrelang hat er an den Büchern gefeilt. Das tut der Sache einfach gut.

Heute entstehen Drehbücher wesentlich schneller…

Ja! Alles viel zu schnell!

Wenn jemand käme und sagen würde: Komm, wir drehen „Monaco Franze“ neu, wären…

(fällt ins Wort:) Nee! Nee, nee, nee!

Sie wären nicht dabei?

Auf gar keinen Fall. Vor Dietls Krankheit besuchte ihn Günther Maria Halmer mit der Idee, einen Film zu drehen, in dem sich alle Dietl-Figuren noch einmal im Altenheim treffen. Da wäre ich sofort dabei gewesen. Aber ohne Dietl? Nein!

In „Bier Royal“ geht es um den Streit zwischen Stiefmutter und -tochter. Die eine möchte Traditionen erhalten, die andere modernisieren. Gegenüber unserer Zeitung monierten Sie, dass auch in München nur noch Jugendwahn im Fokus steht. Eine Entwicklung, die sich im TV spiegelt. Es heißt zwar, es gäbe immer mehr Rollen für Ältere – doch stimmt das?

Nein, die wirklich kritischen Rollen für Ältere gibt es nicht. Die Satirischen, wo man auch mal redet wie Frauen in meinem Alter mit ihren Freundinnen reden – also so richtig, das kann auch männerfeindlich sein. (Lacht.)

Der einzige Film dieser Art, glaube ich, war vor Jahren „Klimawechsel“ von Doris Dörrie. Und die richtig alten Rollen werden lieber mit auf alt gemachten jungen Kollegen besetzt. Als könnte man es den Leuten nicht zumuten, ein tatsächlich altes Gesicht zu sehen.

Woran liegt das?

Meine These ist, dass es immer noch mehrheitlich männliche Redakteure gibt – und manchen graust’s vielleicht vor solchen Themen. Als älterer Redakteur schüttelst du beim Setbesuch natürlich lieber einer jungen hübschen Schauspielerin die Hand, als einer alten, weil so was hast du ja schon zu Hause. Natürlich ist das nicht allgemeingültig, aber es schwingt mit. Ich fände es toll, wenn es noch mehr Frauen in den Redaktionen gäbe, die Stoffe vorantreiben, in denen auch über 60-Jährige frech und unkonventionell sind, wie es im wahren Leben längst ganz viele gibt. Und es muss nicht immer das unrealistische Happy End sein, das ist so was von aus der Zeit gefallen.

Werden Sie wählerischer bei der Rollenwahl?

Wenn ich mir das leisten konnte, war ich das schon immer. Aber es gab Jahre, in denen das nicht so war. In denen ich auch kleinere, doofe Rollen gespielt habe. „Es gibt keine kleinen Rollen, es gibt nur kleine Schauspieler“ – dieser Satz, der so gern zitiert wird, stimmt einfach nicht. Es gibt so viele kleine, undankbare Rollen. Darum finde ich, dass alle, die eine Hauptrolle spielen, sich wirklich bemühen müssen, zu allen, die kleinere Rollen spielen, nett zu sein. Und sie wie ein Gastgeber zu empfangen.

Beherzigen Sie das selbst?

Ich hoffe es. Es gibt so viele tolle Schauspieler, die noch gar nicht entdeckt worden sind und die sich dann in den zehn Sätzen, die sie haben, vor lauter Aufregung noch verhaspeln. Dem darfst du nicht arrogant begegnen.

Erinnern wir uns kurz an Ihre Anfänge. Wie war das damals mit Gerhard Polt? War Ihnen immer klar, dass der Humor zündet?

Ich glaube, uns war gar nicht so wichtig, dass es zündet. Wir waren so begeistert alle. Wir durften das zusammen machen, haben viel Geld dafür bekommen, ich habe gleich gesagt: „Vor zehn Uhr fangen wir gar nicht das Drehen an.“ (Lacht.) Die Redakteure haben einen auch einfach mehr machen lassen. Genau wie zu Dietls Zeit. Da wurde nicht alles von PR-Firmen genau durchgetaktet. Wenn du heute einen großen Film machst, heißt es gleich: „Da musst du zum Fotoshooting.“ Und die vom Marketing wissen dann ganz genau, welches Gesicht du machen sollst, damit sich der Film besser verkauft. Da fühl’ ich mich so was von fremd, und das hat auch nichts zu tun mit meiner Berufsausbildung.

Sie sind in Ihrem Leben immer Ihren eigenen Weg gegangen, oder?

Ja, ich kann es nicht leiden, wenn Leute mir sagen, was ich tun soll. (Lacht.) Ich war schon immer sehr rebellisch.

Hat das mit Mut zu tun?

Nee, ich glaube, das ist die Konsequenz meiner Erziehung. Wir hatten einen sehr autoritären Vater, wir drei Mädels. Wir sind eigentlich alle rebellisch geworden, ich als Jüngste vielleicht am meisten. Es ist doch so: Entweder man gibt immer klein bei, oder man gibt immer Kontra. Das war schon in der Schule so, und das habe ich perfektioniert. (Grinst.)

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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