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Gisela Schneeberger: „Eigentlich bin ich gegenüber Schauspielern ziemlich skeptisch – also auch mir selbst gegenüber!“

Interview zum neuen Film

Gisela Schneeberger: „Ich bin eher eine Hausschnecke“

München - Im Interview zu ihrem Film „Wir sind die Neuen“ spricht die Münchner Schauspielerin Gisela Schneeberger über Reisen, Wohngemeinschaften und politisches Engagement.

Berühmt wurde sie an der Seite von Gerhard Polt in der Kult-Fernsehserie „Fast wia im richtigen Leben“ und in Kinofilmen wie „Kehraus“ oder „Man spricht deutsh“. Auf der großen Leinwand war Gisela Schneeberger zuletzt im Publikumserfolg „Eine ganz heiße Nummer“ sowie in Polts hintersinniger Farce „Und Äktschn!“ zu sehen. Nun spielt die begnadete Komödiantin und Verwandlungskünstlerin in „Wir sind die Neuen“ (Kinostart am Donnerstag) eine resolute Alt-68erin. Anlässlich der Weltpremiere dieser Komödie beim Münchner Filmfest trafen der Münchner Merkur die 65-jährige Schauspielerin zum Gespräch.

-Im Film trotzen Sie ohne Internet-Anschluss der Hochgeschwindigkeits-Gesellschaft. Stimmt es, dass Sie selbst keinen Computer besitzen?

Nachdem mein Sohn immer geschimpft hat, ich sei völlig aus der Zeit gefallen, habe ich jetzt immerhin einen gebrauchten PC. Nur zum Üben! Ganz selten gehe ich mal ins Internet, um mich über bestimmte Hotels zu informieren – oder über eine Krankheit, die ich vielleicht haben könnte. Aber ich mag keine E-Mails bekommen, in denen die Leute nur unwichtiges Zeug von sich geben. Mein Faxgerät reicht mir.

-Sind Sie ein WG-Typ?

Nein, überhaupt nicht. Wir waren drei Schwestern daheim, und ich hatte als Mädchen nie ein eigenes Zimmer. Darum war mir völlig klar: Nach dem Abi möchte ich alleine wohnen. Vielleicht mit meinem Freund zusammen, aber bestimmt nicht in so einer Zweckgemeinschaft mit Leuten, die man sich nicht unbedingt ausgesucht hat.

-Wäre eine WG vielleicht ein Modell für den Lebensabend? Eine Alternative zum Altenheim?

Ich fände es sehr schön, sich gemeinsam mit Freunden ein Haus zu kaufen. Aber nur, wenn jeder eine eigene Wohnung hat, mit eigener Küche und eigenem Bad. Und das Ganze müsste jemand für mich organisieren. Ich selber habe nicht den nötigen Elan dafür – obwohl ich mir vielleicht in zwanzig Jahren in den Hintern beiße, wenn ich es nicht gemacht habe.

-Denken Sie übers Älterwerden nach?

Ja, schon. Früher habe ich immer geglaubt, ich würde 90 Jahre alt werden und total gesund bleiben. Aber so ist es natürlich nicht. Jetzt kriege ich schon das eine oder andere Zipperlein und stelle mir vor, dass ich vielleicht irgendwann nicht mehr richtig sehen oder hören oder laufen kann. Meine Mutter hat das Altwerden akzeptiert und sogar mit 90 zu mir gesagt: „Weißt du, Gisela, ich freue mich über jeden Tag, an dem ich noch leben darf.“ So eine Zufriedenheit würde ich mir auch gern bewahren, aber das gelingt mir leider nicht so richtig.

-Was können die Jungen von der älteren Generation lernen?

Gesellschaftliches und politisches Engagement. Es gäbe genügend Gründe, sich zu wehren – zum Beispiel gegen den unbedachten Umgang mit Plastik, die Omnipräsenz von Google oder die Tatsache, dass wegen Amazon immer mehr Geschäfte kaputtgehen. Meine Generation hat noch gegen die alten Nazis rebelliert, und das war auch bitter nötig. So ein schönes Feindbild haben die Jungen heute natürlich nicht mehr. Schließlich haben sie ja auch sehr nette Eltern: uns! (Lacht.)

-Und was können die Alten von den Jungen lernen?

Ein entspannteres Verhältnis zum anderen Geschlecht. Ich sehe an meinem Sohn und dessen Bekanntenkreis, dass junge Frauen und Männer und Mädels heute befreundet sein können, ohne dass Erotik im Spiel ist. Das finde ich ganz toll. Als Mädel hätte ich nie mal einfach so mit einem Jungen ausgehen können – entweder wollte er was von dir, oder du wolltest was von ihm… Ich weiß aber nicht, ob sich das im Alter noch ändern lässt.

-Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Schulfreundinnen?

O ja. Das ist wunderbar, weil sie mich noch so kennen, wie ich damals war. Wir können uns gegenseitig die Meinung sagen, ohne dass jemand beleidigt ist. Und ich finde es sehr bereichernd, dass sie alle beruflich etwas ganz anderes machen als ich. In meiner Branche habe ich nur eine einzige wirklich gute Freundin. Es gibt etliche Kolleginnen und Kollegen, die ich sehr schätze und die ich immer wieder sehr gern sehe. Aber eigentlich bin ich gegenüber Schauspielern ziemlich skeptisch – also auch mir selbst gegenüber! (Lacht.)

-Haben Sie noch Träume?

Hatte ich seltsamerweise nie. Ich habe immer alles auf mich zukommen lassen. Es hat sich dann irgendwie von selber ergeben. Und wenn ich mir tatsächlich mal was erträumt habe, dann hat es sowieso nicht geklappt.

-Gibt es vielleicht Orte, die Sie noch entdecken wollen?

Ach, ich wollte nie die ganze Welt kennenlernen. Ich bin eher eine Hausschnecke. Manchmal tut es mir ganz gut, wenn ich von außen einen kleinen Schubs bekomme, um meinen inneren Schweinehund zu überwinden: Wenn ich nicht mal in Rom, Sevilla oder Barcelona gedreht hätte, dann wäre ich wohl nie dorthin gekommen. Aber außereuropäische Länder reizen mich zum Beispiel überhaupt nicht. Allein diese Kofferpackerei für mehrere Wochen würde mich schon schwer belasten. Ich glaube, das habe ich von meiner Mutter. Kurz bevor wir verreist sind, rief sie immer ganz hektisch: „Ihr dürft mich jetzt nicht stören – ich habe Reisefieber!“

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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