Das Pünktchenkleid, das Lilo Pulver in Billy Wilders Berlin-Komödie „Eins, zwei, drei“ trug, gibt es immer noch.

Ausstellung alter Film-Requisten

Der Glanz ist kaum verblasst

München - Die Film- und Theaterausstattung München präsentiert Kostüme und diverse Requisiten in einer Ausstellung in der Bavaria Filmstadt.

So kokett hat selten jemand mit dem Po gewackelt. Lieselotte Pulver, jung und schön, mit nackten Füßen auf dem Tisch. Erst fliegen die Schuhe, dann das Jäckchen – und vor lauter Schreck gleich Chruschtschows Foto aus dem Rahmen. „Eins, zwei, drei“ – unvergessen, diese Tanzszene aus Billy Wilders schräger und zugleich höchst politischer Komödie von 1961. Das Pünktchenkleid, im Film strahlend weiß gegenüber dem Grau der Anzüge der sowjetischen und US-amerikanischen Halunken. Über 50 Jahre später ist der Glanz von einst kaum verblasst. Die Mitarbeiter der Film- und Theaterausstattung München (FTA) haben all die Jahre auf dieses Stück der Filmgeschichte Acht gegeben. Wie auf so viele andere Schätze, die in einer kleinen Schau auf dem Gelände der Bavaria Filmstudios zu sehen sind. Kostenlos und nicht gebunden an ein Eintrittsticket für die Filmstadt.

„Die FTA hat unendlich viele Kostüme und Requisiten eingelagert. Da haben wir uns gedacht: Man müsste einen Teil davon einmal dem Publikum zugänglich machen“, sagt Christiane Kügler-Martens vom Marketing der Bavaria Filmstadt. Es wäre geradezu Sünde, es nicht zu tun. Da geht dem Filmfan das Herz auf: Ein schmales Kostüm von Modeschöpfer Hubert de Givenchy, der zierlichen Audrey Hepburn auf den Leib geschneidert. Der Original-Rolls-Royce aus der 60er- und 70er-Jahre-Kult-Krimiserie „Graf Yoster gibt sich die Ehre“. Der fährt sogar noch. Und als krasser Gegensatz zu diesem eleganten Schlitten: der rosafarbene Studebaker Starlight aus der Musikvideosendung „Formel eins“, geschmückt mit goldenen Schallplatten und Original-Zeichnungen des Comic-Vorspanns der Sendung.

Normalerweise wird das Foyer der Bavaria Film, in dem die Kostüme und Requisiten nun präsentiert werden, für Veranstaltungen genutzt. Die Ausstellung ist deshalb nicht auf Dauer angelegt; wenn die Besucher sie jedoch gut annehmen, sollen hier öfter kleine Schauen gezeigt werden. Doch Filminteressierte können nicht nur Kostüme und Requisiten, unter anderem aus dem gerade im Kino laufenden und von der Kritik bejubelten Film „Geliebte Schwestern“ von Dominik Graf, anschauen,  sondern auch einmal selbst in Kostüme schlüpfen. Dazu haben die Mitarbeiter extra ein paar Kleider zur Seite gehängt. Ansonsten gilt: Fotos machen erlaubt, die Ausstellungsstücke anziehen aber nicht.

In die meisten der ausgestellten Kostüme würde vermutlich ohnehin kaum jemand passen. Es sind alles Maßanfertigungen, speziell für die Darsteller handgenäht. Und so normal schlank sie dann im Fernsehen wirken – das TV-Bild verzerrt: In Wahrheit sind die Schauspieler einige Kilo leichter. Das Kostüm von Hannah Herzsprung etwa, das sie im Film „Ludwig II.“ getragen hat: Es ist so winzig klein, dass es nur auf die Kinder-Kleiderpuppen passt. Auch das ein Grund, weshalb viele der Kostüme für immer im Fundus verschwinden. „Manches können wir an Theater weitergeben. Doch wegen der kleinen Größen können sie mit vielen Kostümen gar nichts anfangen“, sagt Kügler-Martens. Und manches Kleidungsstück ist einfach so prächtig, dass man es nicht ein zweites Mal für einen Film benutzen kann – zu hoher Wiedererkennungswert. Der Königsmantel von Ludwig II. zum Beispiel. Fünf Schneiderinnen haben ihn maßgefertigt. Nach dem Filmdreh verschwand er in einer großen Kiste im Keller. Verpackt in Seidenpapier. Kügler-Martens und Stefanie Pyka, Kuratorin der Ausstellung, haben ihn gefunden. Nach langer Suche. „Die Produktion hatte uns nur gesagt, dass er möglicherweise im Keller ist. Wir haben wirklich alle Kisten aufgemacht – und in der allerletzten, als wir schon fast aufgegeben hätten, ganz unten war er dann. Wie ein Schatz.“ Die Schatzsuche hat sich gelohnt.

Von Katja Kraft

Bis 24. August 11 bis 17 Uhr; Bavariafilmplatz 7; der Eintritt ist frei.

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