Glanz und Pracht

- Ohne gleich ins Prahlen zu geraten: Aber Schätze, die zeigt man doch her, erfreut sich an Glanz und Pracht, natürlich auch, um ein bisserl anzugeben - wofür hat man das Zeug denn? Bei der Bayerischen Staatsoper ist das anders, da verschwinden Schätze schon mal im Orkus (Achim Freyers "Orfeo") oder werden für fast zwei Jahre in den Fundus verbannt (Christof Loys "Saul"), währenddessen gern billiger Modeschmuck getragen wird.

<P class=MsoNormal>Jetzt ist "Saul" wieder da, und fast hätte man vergessen, in welch eigener Barockliga diese Händel-Regie spielt. Weil Christof Loy auf kluge, hinreißende Art im Zwischenreich von Oper und Oratorium wandelt. Weil er szenischen Plunder nicht nötig hat, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Weil bei ihm das Wichtigste, der singende, leidende, glückliche, in vielen Facetten schillernde Mensch, im Mittelpunkt steht. </P><P class=MsoNormal>Zwei Beförderungen gab's bei der Wiederaufnahme: Jonathan Lemalu, früher Samuels Geist, ist nun Saul. Und Brian Asawa, schon mal als Einspringer im Orchestergraben aktiv, durfte im Doppelsinn aufsteigen und den David auch verkörpern. Asawa ist ein typischer US-Countertenor. Mit klangschönem, wattiertem Timbre und sehr körperhafter Tongebung, die Vibrato zulässt - auch wenn (die Nervosität?) manches nicht optimal zentriert war. Wie Vorgänger David Daniels ist er ein wirkungsvoller Darsteller, kein Sonnyboy jedoch, sein Charme resultiert eher aus einer sympathischen Zurückhaltung. </P><P class=MsoNormal>Mit dem Einsatz Jonathan Lemalus ist die Inszenierung ins Lot geraten: Saul als der stärkste Solist des Abends. Lemalus Bassbariton hat Kern, ist samtig timbriert, flexibel geführt und reif für den Schönheitspreis; die wuchtige, wendige Körperlichkeit des Neuseeländers sichert ihm zudem starke Präsenz. Neu auch Susan Gritton (Merab) und Sarah Fox (Michal). Beide passten sich perfekt in die Regie ein, neigten aber, bei aller Intensität, zum vokalen Übersteuern. Vielleicht beruhigt sich das noch. Auch die fast obsessive Emotionalität, mit der Ivor Bolton das Staatsorchester antreibt - wobei sich die Musiker nicht immer um jede Feinheit ihres Meisters kümmerten. Das wird noch einrasten, dieser Händel-Schatz ist es ja auch wert.</P>

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