Glanzpunkt für jeden

- "Ganz Paris träumt von der Liebe", schäkert melodisch eine Animierdame, kessen Blicks "auf dem Winz-Strich" des Münchner Theaters am Sozialamt (TamS). Und Leonida, jungfräulich trocken: "Wir haben das Schwein geschlachtet." Nein, nicht, was der Leser jetzt vielleicht denkt . . . Frei nach Eugè`ne Labiches Comé´die-Vaudeville "Das Sparschwein" (1864) haben TamS-Prinzipalin Anette Spola und Rudolf Vogel mit dem Theater A'propos auf dem Humus ihrer Karl-Valentin-Tradition eine "Schlachtplatte à` la Nero" angerichtet.

<P>Und deren humorvolle Szenen-Kanapees konsumiert man mit Vergnügen. Denn A'Propos ist eine ('98 gegründete) Gruppe von Psychiatern, Betreuern und ihren Patienten - mit denen man ganz überraschend wieder Theater als naives und wunderbar heilsames Spiel entdecken kann. Dank Inhalt der porzellan-rosa Karten-Spielkasse leistet sich die bourgeoise Provinz-Clique um den Rentier Champbourcy eine Reise ins Vergnügungs-Babel Paris (soweit noch Labiche).</P><P>In liebevoll-komischen Improvisationen, umweht von Musette-Klängen, erfinden die zwölf Akteure jedoch ihre eigenen Situationen. Die Lautrec-Stellwände, das Bistro-Tischchen, alles ist schnell umgebaut von zwei plappernden "leichten Damen". Unsere Paris-Eroberer lesen nun zum Beispiel Heiratsannoncen. Und Champbourcys Schwester Leonida trifft dann tatsächlich ihren Prinzen. Wie Barbara Altmann in selbstbewusster Vorfreude den strengen Hauskittel lüpft und sich zum Sommerkleid-Schmetterling entblättert - so komisch. Jeder (und jeder müsste genannt werden) hat mal solch einen Glanzpunkt: auf dem Boulevard, im Louvre, wo Napoleon und Mona Lisa live aus den Rahmen lächeln, oder im Speiserestaurant. "Ein Windbeutel bringt immer etwas frische Luft in den Magen", meint der Apotheker alias Zoltan Sloboda mit seinem stoischen Witz. Theater, das zu Befreiungsakten für die Spieler wird - da schaut man mindestens so gerne zu wie bei den Profis.</P><P>Noch viermal im April und Mai, Telefon 089/ 41 4042 68.<BR></P>

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