GloBallisierung allerorten

- Der Fifa-Globus rollt durch Deutschland - und die Globalisierung rollt hinterher. Denn Globalisierung ist auch GloBallisierung und die Weltmeisterschaft ein prima Anlass, die Ambivalenz der weltweiten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Vernetzungstendenzen einmal kritisch zu betrachten: am Beispiel des Fußballs. So tourt seit gut einem Monat ein Übersee-Container durch die deutschen WM-Städte und ist mit seiner textilen Aufklärungsfracht nun auch in der Münchner Galeriestraße vorm Kunstverein angekommen.

"Fanshop der Globalisierung" haben die Berliner Agentur Raumtaktik und die Bundeszentrale für politische Bildung ihr gemeinsames mobiles Kunst-Projekt benannt - und bringen damit ein wenig ironische Bitterkeit in die Fußballlaune. Doch soll es hierbei in erster Linie um Information gehen, nicht etwa um Destruktion.

Zu einer Zeit, da die Ballacks und Ronaldinhos und Tottis sich in den Fußgängerzonen häufen, haben fünf junge Berliner Modedesigner 25 internationale Fußballtrikots zu bedeutungsschweren Kleidungsstücken umgeschneidert. Unterstützt von Leuchtwand-Statistiken erzählen diese nun reale Fußballgeschichten: über globale Handelsabkommen und Fanshops, über Import, Export und Sponsoring, über Migration und Fußballflüchtlinge, über lokale Identität und Produktionsauslagerung.

Molotow-Hemd und Hochzeitskleid

Vor diesem Hintergrund wird das französische Blau-Weiß-Rot etwa zum maskierenden Molotow-Hemd, das unschuldige Weiß des Deutschland-Shirts zum Hochzeitskleid einer zweifelhaften Bindung an Afrika. Nur zu gern sähe man dieses intelligente Kleinod politisch-künstlerischer Bildungsarbeit an einem prominenteren Platz - in den Globusstapfen auf dem Marienhof etwa.

Bis 14. Juni. Galeriestraße 4, Di-So 11-18 Uhr, Do 11-21 Uhr. Tel.: 089/ 22 11 52.

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