Glück gehabt

- Singende VIPs in dieser Auftrittsdichte gibt's eigentlich nur bei Festspielen - es sei denn, der Zweck ist ein guter. Also wie im Falle der Christiane Herzog Stiftung, die sich für Mukoviszidose-Patienten einsetzt und Operngala ins Prinzregententheater bat, die von Gerhard Schmitt-Thiel moderiert wurde.

Ein unvergesslicher Abend für viele. Für Fans von Edita Gruberova, die deren Absage zu verdauen hatten. Für die Stiftung, die der vor fünf Jahren gestorbenen Christiane Herzog entscheidende Impulse verdankt und die hier 62 000 Euro sammeln konnte. Für die Besucher, die gerührt feststellten, dass die Kinder des Mukoviszidose-Chores mit "Du bist Du" womöglich mehr Herzen erreichten als manch forcierte Arie. Und für Dirigent Christoph Poppen, dem im Überschwang der Taktstock aus der Hand flog, was Vesselina Kasarova während halsbrecherischer Gluck-Koloraturen für eine hinreißende Einlage nutzte.

Dass der Terminkalender nur eine Probe gestattete, war manchem Sicherheitstempo anzuhören. Egal, die Stars machten das wett. Juliane Banse bewies mit "Dove sono", dass da eine großartige "Figaro"-Gräfin heranreift (vollständig zu erleben im Salzburger Sommer 2006). Francisco Araiza demonstrierte als Lenski ("Eugen Onegin") seine nach wie vor kultivierte, sehr nach innen gerichtete Gestaltungskunst.

Lioba Braun, begleitet von einem naturgemäß klein besetzten Münchener Kammerorchester, konnte daher als Eboli auf eine sehr ausgewogene Linienzeichnung ohne Aplomb setzen. Roberto Saccà` - ob in "Martha" oder "Bohè`me" - lieferte geschmackvolle Tenor-Emphase. Überdies sollte man sich die eher unbekannten Kollegen Mehrzad Montazeri (Tenor) oder Duccio dal Monte (Bass) merken - und Anna Maria Kaufmanns Violetta unter der Rubrik Kuriosum verbuchen.

Unter den Zugaben dann das "Traviata"-Trinklied, gesungen von (fast) allen. Und das brachte eine kurze Hörbegegnung mit der Kasarova als Violetta samt Spitzenton: Was traut sich diese grandiose Sängerin eigentlich nicht zu?

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