Glück des Geistes

- "Wenn ich daran denke, dass ich alles, was ich gemacht habe, dadurch gelernt habe, dass ich's gemacht habe!", merkte Heinz Friedrich in einem Gespräch mit unserer Zeitung über seinen Werdegang an. Und er hat es bewunderungswürdig gemacht. Der Verleger, Autor ("Vom Gegenglück des Geistes"), begeisterte Theatergeher, der nachdenkliche Kritiker, der ehemalige Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Vielgeehrte und Wahlmünchner starb am Freitag einen Tag vor seinem 82. Geburtstag.

<P>Friedrich wurde am 14. 2. 1922 in Roßdorf bei Darmstadt geboren. Nach dem Krieg und der russischen Gefangenschaft wurde er Zeitungs- und Rundfunkredakteur, war aber zugleich schon als Schriftsteller tätig, gehörte als solcher zu den Initiatoren der "Gruppe 47". <BR><BR>Nachdem 1960 der Deutsche Taschenbuch Verlag gegründet worden war, leitete Friedrich dieses Gemeinschaftskind deutschsprachiger Verlage und machte dtv zu einer enorm wichtigen, niveauvollen "Marke". Vom Klassiker bis zum Kinderbuch, von zweisprachiger Literatur bis zu Dokumenten gibt es dort alles. 30 Jahre, bis 1990, prägte er das Münchner Unternehmen. Aber auch als Akademie-Präsident (1983- 1995) setzte er Akzente. </P><P>Nicht nur dass die hehre Institution dem Publikum sehr viel leichter zugänglich wurde, Friedrich sorgte auch dafür, dass seine Bühnenlieblinge Mitglieder werden konnten: Er führte die Sektion "Darstellende Kunst" ein. Neben seiner Kennerschaft und Bildung, seiner Tatkraft und Menschenzugewandtheit ist seine Zivilcourage nicht zu vergessen. Nicht zuletzt er sorgte dafür, dass der Münchner Hofgarten gerettet wurde vor den monströsen Staatskanzlei-Plänen unter Franz Josef Strauß. <BR><BR></P>

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