Zum Glück gibt's den Löwenturm

- Der erste Eindruck: langweilig; der zweite, nach ehrlicher Selbstbefragung: immer noch langweilig. Das neue Gebäude ("Leomax") Ecke Rindermarkt und Rosental für Büros, Läden, das Bekleidungsgeschäft Peter Hahn, das über zwei Stockwerke reicht, und für ein paar Wohnungen als urban-soziales Feigenblatt enttäuscht. Eine derart ausgesuchte Einfallslosigkeit hätte man dem Münchner Architekturbüro Peter C. von Seidlein (mit Horst Fischer, Egon Konrad, Stephan Röhrl) nicht zugetraut. Eines dieser gängigen, überall heraussprießenden Glashäuser wurde auch hier errichtet.

<P>Glas ist durchsichtig, also wirkt das Haus, und sei es noch so massig, locker und luftig, und also sind alle zufrieden, schimpfen nicht mehr über dräuende Betonkolosse oder über mit sündteuerem Naturstein verkleidete Protz-Monster. Die Baumeister gehen mit ihren Fensterkisten furchtsam, ja feige solchen Vorwürfen aus dem Weg, statt diese mit anregender, menschenfreundlichen Architektur zu widerlegen.</P><P>Auch der Bau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Löwenturm ist nicht wirklich schlimm, ist natürlich nicht steinerweichend hässlich. Er macht sich immer noch besser als der andere Nachbar des Löwenturms, ein auch farbig besonders trostloses Haus. Aber schon die eigentlich recht charakterschwachen Gebäude aus den 50er-Jahren im Rosental kommen einem plötzlich im Vergleich zu dem Glas-Metall-Raster ganz nett vor. Auch die etwas angeberische Glasrundung des Konen-Komplexes diagonal gegenüber macht da locker mehr her.Und die verspielten Jahrhundertwende-Häuser auf der anderen Seite des Rindermarktes behalten sowieso unangefochten alle Sympathien. </P><P>Zeitgemäßes Bauen ist wichtig, aber Architekten sollten ein bisschen Fantasie investieren und nicht nur technisch funktionierende Montagespiele betreiben. Moderne ist nicht das Synonym für Langeweile, auch wenn die Anti-Baukunst uns das seit 50 Jahren beweisen will. Das einzig Positive von "Leomax", nämlich die geschwungene Fassade am Rosental, ist der Straßenkrümmung zu verdanken. Auch der kleine Hof zwischen Löwenturm und Gebäude dürfte trotz Bänken und Wasserspiel wegen der Enge eine Totgeburt sein.</P><P>Dafür scheint sich der Rindermarkt selbst zu einer veritablen Piazza zu mausern. Endlich hat man die Pflanzgevierte mit dem räudigen Gestrüpp beseitigt. Im Augenblick wird das Pflaster verlegt (Sitzgelegenheiten wird's auch geben). Jetzt schon - obwohl die sommerliche Idylle fehlt - ist zu spüren, wie man ganz unwillkürlich aufatmet auf diesem Platz: freier Raum für den Blick, für die Bewegung, fürs Flanieren. Der Rindermarkt verdient nun eher die Bezeichnung Platz als die vorherige zwischen Straßen eingequetscht Ecke. Schade nur, dass die Stadt bei der Randbebauung nicht auf mehr Qualität geschaut hat . . .</P><P><BR> </P>

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