Glückliche Gruppe

- Um 18.55 Uhr ließ sich Intendant Dieter Dorn die Uhr seines Nachbarn zeigen und wurde etwas nachdrücklich. 55 Minuten später musste nämlich Christian Friedel die Bühne des Residenztheaters im "Herzog Theodor von Gothland" betreten. Jener junge Schauspieler also, der wenige Augenblicke zuvor mit dem Nachwuchspreis des Merkur-Theaterpreises geehrt worden war. Doch bevor Friedel zur Arbeit fuhr, hatte er sich noch singend mit "And I'm feeling good" bedankt - und damit den Anwesenden aus dem Herzen gesprochen.Denn gut gefühlt haben sich an diesem Abend wohl nicht nur die Preisträger - Opernsängerin Diana Damrau, Schauspielerin Cornelia Froboess, Schauspieler Maximilian Brückner und eben Kollege Christian Friedel -, sondern auch die Gäste der Preisverleihung: Promis, vor allem aber 200 Leser, die zur Feier in der Otto-Falckenberg-Schule ausgelost worden waren.

Zum zehnten Mal wurde heuer der Merkur-Preis verliehen. Anlass für Feuilleton-Chefin Sabine Dultz, auf die bisher Geehrten zurückzublicken, ihre Rede passend zum Schiller-Jahr mit des Dichters Worten zu würzen ("Ein bisschen Bildung muss sein."), aber auch die Gäste anspielungsreich zu beruhigen: "Die von Ihnen Gewählten halten, was sie versprechen, auch noch in den nächsten Legislaturperioden." Wie viel ihnen ein Publikumspreis wert ist, sagten alle Geehrten - um sich beim inoffiziellen Teil sofort in die Menge zu mischen (Cornelia Froboess: "Ich muss jetzt zu meinem Publikum."), Autogramme zu geben oder über Aktuelles aus Musik- und Theaterleben zu diskutieren. Merkur-Verleger Dirk Ippen hatte zuvor an die "Solidargemeinschaft" von Lesern und Zeitung erinnert und dafür ein Zitat aus Shakespeares "Heinrich V." parat: "We happy few, we band of brothers."Doch im Grunde war das Ganze ja ein großes Campingfest. Auf der Bühne ein Wohnwagen, ein Wohnmobil, ein Straßenkreuzer, dazu Liegestuhl und Klapptisch: das Bühnenbild für die nächste Produktion der Falckenbergler. Der zweite Jahrgang zeigt an der Dachauer Straße 114 ab 21. Juli einen "Lysistrata"-Abend und bot vorab Ausschnitte - Machos, die mehr an Fußball als an Frauen interessiert sind, was beide Seiten zu Nummern wie Händels "Happy we", "The lion sleeps tonight" oder einen Männerstrip zu Offenbachs Barcarole veranlasste. Die Damen, nicht nur der Falckenbergschule, dürften Letzteres mit Interesse zur Kenntnis genommen haben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror
Deutschlands Jazz-Hoffnung Michael Wollny improvisiert in München die Filmmusik zum Kinoklassiker „Nosferatu“. Die Faszination für das Unheimliche zieht sich durch …
Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror
Ausstellung: Der Eisenbeißer im Lebendkicker
Das Jüdische Museum München setzt sich in „Never Walk Alone“ mit jüdischen Identitäten im Sport auseinander. Der Besucher findet sich dabei mitten in einem Lebendkicker …
Ausstellung: Der Eisenbeißer im Lebendkicker
„Idealzustand“: Pete Doherty in der Muffathalle
Ganz nüchtern wirkte er nicht, der Anarcho unter den Rockstars. Pete Doherty lieferte in der Münchner Muffathalle eine Show an der Grenze zum Exzess. 
„Idealzustand“: Pete Doherty in der Muffathalle
Bad Tölz feiert jetzt ein Jahr lang Thomas Mann
In Bad Tölz steht das „einzige echte Haus“ von Thomas Mann. Der Nobelpreisträger, der sehr gerne in der Kurstadt gelebt hat, wird jetzt ein Jahr lang gefeiert. Es gibt …
Bad Tölz feiert jetzt ein Jahr lang Thomas Mann

Kommentare